Rocker-Prozess: Geständnis führt zu Haftstrafe und Freilassung
Rocker-Prozess: Geständnis führt zu Haftstrafe und Freilassung

Ein umfassendes Geständnis hat einem Angeklagten aus dem Bandidos-Milieu vor dem Landgericht Neubrandenburg eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und fünf Monaten eingebracht – und nach langer Untersuchungshaft vorübergehend die Freiheit beschert. Der 46-jährige Handwerker, der als Hauptverdächtiger in einem größeren Drogenverfahren galt, wurde wegen „bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln“ sowie Verstoßes gegen das Waffen- und das Arzneimittelgesetz schuldig gesprochen.

Urteil nach Verständigung und Geständnis

Die Strafkammer unter Leitung von Richter Norman Golinski folgte damit einer Verständigung zwischen allen Seiten. Diese hatte bei einem Geständnis eine Höchststrafe von drei Jahren und zehn Monaten vorgesehen. Der Mann, der seit Jahren den Bandidos angehörte, hatte eingeräumt, mit Drogen gehandelt zu haben.

Hintergrund des Verfahrens war eine Razzia im Februar 2026, bei der die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Rostock etliche Wohnungen und Immobilien nördlich von Berlin durchsuchen ließ. Insgesamt gab es damals 13 Tatverdächtige im Alter von 22 bis 52 Jahren. Angeklagt wurde bisher nur der Handwerker.

Haftbefehl aufgehoben – Auflagen erteilt

Das Geständnis, seine familiären Bindungen in Neubrandenburg und seine Angaben, sein Leben ändern und „wieder ein Vorbild für seine Kinder sein“ zu wollen, veranlassten Golinski, den seit einem halben Jahr bestehenden Haftbefehl gegen Auflagen aufzuheben. „Wir sehen keine Fluchtgefahr“, sagte der Richter. Der sichtbar erleichterte Angeklagte, früher ein in der Region bekannter Fußballer, ging daraufhin zur Besucherbank und wurde von einer Gruppe von Frauen, darunter seine Verlobte, umarmt.

Bis zu seinem Haftantritt darf der Verurteilte auf freiem Fuß bleiben. Er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden und zweimal pro Woche einen Drogentest absolvieren.

Fundstücke und Hintergründe

Bei dem Handwerker wurden unter anderem 177 Gramm Kokain, mehr als 1,2 Kilogramm Marihuana, zwei Schießkugelschreiber, eine schussbereite Beretta-Pistole sowie eine größere Menge Patronen und mehrere hundert Tabletten gefunden. Er räumte ein, auch mit Potenz- und Schlafmitteln gedealt zu haben. Der Verteidiger Daniel Scheibner formulierte das Geständnis: „Das bei der Durchsuchung bei meinem Mandanten gefundene Kokain und Marihuana war zum größten Teil zum Handel gedacht.“

Der Angeklagte gab zudem an, seit Jahren vor allem Amphetamine und Kokain konsumiert zu haben. Ausgangspunkt seien Feiern in der Freizeit, auch in der Fußballer-Szene, gewesen – kombiniert mit Alkohol. Er habe über den Drogenkonsum seine komplizierte familiäre Situation und gesundheitliche Probleme mit dem Rücken vergessen wollen. Eine Bandscheiben-Operation habe er nicht auskuriert.

Mit dem Urteil blieb die Kammer genau in der Mitte der Forderungen: drei Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft und drei Monate über der Forderung der Verteidiger. Diese kündigten an, das Urteil anerkennen zu wollen. Rechtskräftig wird es erst nach einer Woche. Der Bandidos-MC Neubrandenburg und dessen Unterstützer stehen seit Jahren wegen Drogendelikten und Erpressung im Fokus der Ermittler.