Bei Temperaturen von 36 Grad Celsius haben in Neustrelitz schätzungsweise tausend Menschen den Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Der Demonstrationszug endete am Samstagnachmittag auf dem Markt, wo Bürgermeister Andreas Grund den Teilnehmern zurief: „Ihr habt bei 36 Grad Celsius Neustrelitz ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich bin stolz auf euch.“ Die Veranstalter verstanden den Zug in diesem Jahr ausdrücklich als Demonstration und nicht als Parade, wie in den Vorjahren.
Klares Zeichen gegen Queerfeindlichkeit
Unter dem Motto „Es reicht“ machten die Redner deutlich, dass Sichtbarkeit allein nicht genüge. Annemarie Kröger vom Warener Verein Queer am See sagte: „Dafür kämpfen wir seit vielen Jahren. Aber Sichtbarkeit bedeutet nicht gleich Sicherheit.“ Sie verwies auf den Anschlag auf den CSD in Berlin und den deutlichen Anstieg queerfeindlicher Angriffe. „Hier sehe ich, dass ich nicht allein bin und das macht sehr viel Mut“, betonte die Auszubildende.
Alice vom Verein Queer NB rief dazu auf, sich entschiedener gegen Anfeindungen zur Wehr zu setzen. Wo Minderheiten diffamiert werden, solle man nicht wegschauen, sondern klare Haltung zeigen. Sie dankte auch den vielen Menschen, die nicht queer sind und dennoch zum Markt gekommen waren oder am Zug teilnahmen.
Unterstützung von Politik und Kirche
Vor dem Start am Bahnhof richtete Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) das Wort an die Teilnehmer. „Der CSD heute ist nicht nur ein Gedenk- und Demonstrationstag, sondern auch ein Symbol unserer Freiheit und Ausdruck unserer Entschlossenheit und Solidarität“, sagte sie. Die Landesregierung stehe an der Seite der queeren Community. „Toleranz und Gleichberechtigung sind keine freundliche Bitte“, fuhr sie fort. Sie forderte die Reform des Artikels 3 des Grundgesetzes und die vollständige rechtliche Gleichstellung von Regenbogenfamilien.
Pastorin Katharina Rosenow sorgte für eine Überraschung, als sie im Ornat und Regenbogenschal ans Mikrofon trat. Sie übermittelte Grüße der ökumenischen Gemeinde und lud die Menschen ein, sich in der Kirche den Segen abzuholen.
Friedlicher Verlauf trotz Gegendemo
Der Zug führte in diesem Jahr nicht direkt zum Markt, sondern auch durch den Stadtteil Kiefernheide. In der Nähe des Bahnhofs hatte sich eine Handvoll Menschen zur Gegendemo formiert, die dem Zug mit Sprüchen wie „Hier marschiert der deutsche Widerstand“ und „Frei, deutsch, hetero“ folgte. Jürgen Krämer und Christopher Schalinski, die seit 31 Jahren ein Paar sind, zeigten sich darüber entsetzt. „Jetzt stehen wir hier und viele andere auch, die es lieber bunt haben wollen“, sagte Krämer.
Abgesehen von dieser Störung verlief der CSD „ruhig, fröhlich und entspannt“, wie Thomas Kowarik vom Organisationsteam bestätigte. Die Polizei zog eine positive Bilanz und sprach von einem „friedlichen und störungsfreien Versammlungsgeschehen“. Die CSD-Community richtete bei der Kundgebung auf dem Markt einen Extra-Applaus an die Ordnungshüter.