15 Jahre Naturerbe: Wanderung zeigt, wie sich die Natur zurückholt
15 Jahre Naturerbe: Natur holt sich ihren Platz zurück

Seit 15 Jahren gehören die Serrahner Buchenwälder zum Unesco-Weltnaturerbe. Bei einer Wanderung erklärte Nationalpark-Forschungsleiter Matthias Schwabe, wie sich die Natur ohne menschliche Eingriffe entwickelt und allen Widerständen trotzt.

Forschung im Nationalpark koordiniert

Der Nationalpark sei keine Forschungseinrichtung, stellte Schwabe klar. Vielmehr koordinierten er und seine Mitarbeiter die Forschung auf dem Gebiet. Durch den Weltnaturerbe-Status gebe es zusätzliche Gelder, von denen ein Teil für die Erforschung genutzt werde. Häufig seien Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland tätig, etwa zum Wasserhaushalt in Wäldern.

Wo das Kronendach wenig Regenwasser durchlasse, komme am Boden auch wenig an, erklärte Schwabe. Dieses Wasser benötigten die Bäume für ihr Wachstum, was auch Auswirkungen auf Seen habe. Auf die Frage einer Teilnehmerin, ob der Seespiegel ohne Wald um den See höher sei, antwortete der Forschungsleiter klar mit Ja.

Natürlicher Kreislauf und Störungen

Schwabe zeigte Diagramme zum Entwicklungszyklus eines Waldes: Bäume wachsen, erreichen ihren Höhepunkt, sterben ab, und junge Bäume wachsen nach. Bei „Störungsereignissen“ wie Stürmen gelange Licht auf den Boden und beeinflusse die Vegetation. In älteren Wäldern mit dichtem Kronendach sei der Boden oft kahl, bei mehr Licht werde er grüner.

Die Wanderer passierten einen ehemaligen Fichtenbestand, der vom Borkenkäfer vernichtet wurde. Dennoch sei dichter Wald zu sehen, da nach der Fichte neue Bäume kamen. Wo früher drei Baumarten waren, gebe es nun sechs, darunter wieder Fichten.

Natur setzt sich durch

„Die Wahrheit ist: Die Natur interessieren die Störungen nicht“, so Schwabe. Sie hole sich ihren Platz zurück. Sturmschäden seien oft nach einigen Jahren nicht mehr zu finden. Wildtiere seien keine Gefahr für die Waldentwicklung, auch wenn sie an jungen Bäumen fraßen. Insekten passten sich an, wie Ameisen, die nach Bränden einfach wiederkämen.

Manche Tiere förderten die Entwicklung, etwa der Eichelhäher, der für Eichen sorge. „Der gesündeste Baum ist der, den ich nicht gepflanzt habe“, erklärte Schwabe. Die Natur setze sich am Ende durch, auch bei zu warmen Sommern reagierten Bäume mit Wachstumsdepression, was aber nicht immer ein Problem sei.

Menschliche Eingriffe heilen

Wenn der Mensch wegziehe, komme die Natur zurück, zeige das Beispiel des ehemaligen Slawendorfes Saran. Nur wenige Steine und Roggenpollen im Boden erinnern daran, ringsum wachse dichter Wald. Schwabe meinte, die Reaktion des Waldes auf Naturkatastrophen habe fast etwas Therapeutisches. Die Natur wisse am besten, was sie mache, und vieles lasse sich nicht mit Computern oder KI berechnen.