Babywald wird zum Urwald: Großeltern finden ihre Bäume kaum wieder
Babywald wird zum Urwald: Großeltern finden Bäume kaum wieder (13.08.2026)

Eine Neubrandenburger Familie, die für ihre drei Enkel Lebensbäume im Babywald hinter dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum gepflanzt hat, findet ihre Bäume im hohen Gras kaum wieder. Sie kritisiert den Zustand des Waldes und fragt, ob sich überhaupt noch jemand zuständig fühle. Ein Besuch Ende Juli zeigt jedoch, dass der Babywald nicht vergessen ist.

Zustand des Babywalds

Ein Schild am Klinikgebäude weist den Weg, und am Eingang steht noch der mit Schnullern behängte Schnullerbaum. Breite gemähte Wege führen durch den Bestand, und drei große Tafeln erinnern mit Namen und Geburtsdaten an die Kinder. Die Setzlinge von damals sind heute Teil eines teils dichten jungen Waldes. „Inzwischen ist aus dem Babywald ein ‚Urwald‘ geworden und die Natur ist dabei, sich die Fläche vollends zurückzuholen“, schrieb die Familie dem Nordkurier. Sie bemängelt, dass Gras und Unkraut manches Bäumchen überragen.

Zwischen den Wegen stehen unterschiedlich große Bäume, einige bereits dicht, andere jünger zwischen hüfthohem Gras. Schutzpfähle und Anbindungen zeigen, dass auch später gepflanzt und gepflegt wurde. Müll, Vandalismus oder größere Schäden sind nicht zu erkennen.

Geschichte und Pflege

Der Babywald entstand ab 2008 als Gemeinschaftsprojekt des Nordkurier, der Stadt, des Klinikums und weiterer Partner. Bei zehn Pflanzfesten setzten Eltern, Großeltern und andere Angehörige nach Angaben von Stadtförster Carsten Düde insgesamt rund 450 Lebensbäume. Nachdem die Fläche nahezu gefüllt war, endeten die Pflanzfeste 2014. Danach kamen bei zwei Schulprojekten Bäume hinzu, und im November 2019 pflanzten Kinder der Neuwoba-Kindergenossenschaft weitere 100 Rotbuchen.

In den ersten Jahren mussten die jungen Bäume intensiv gewässert werden, weil die Fläche erhöht liegt und Wind und Sonne ausgesetzt ist. Die Stadtförsterei mähte regelmäßig und ersetzte einen Großteil der ausgefallenen Bäume. Heute sei das nicht mehr nötig, erklärt Düde, weil die Kronen dichter würden. Die Wege werden weiterhin ein- bis zweimal jährlich freigeschnitten, und um den Schnullerbaum kümmert sich das Klinikum.

Zukunft des Waldes

Dass einzelne Flächen wilder aussehen, gehört zum ursprünglichen Ziel. Künftig soll die Fläche in die reguläre Pflege des Stadtwalds aufgenommen werden, und der Zaun, der die jungen Bäume vor Wildverbiss schützte, soll eines Tages verschwinden. Nicht überall entwickelte sich der Wald problemlos: Der Untergrund ist stellenweise durch frühere Bauarbeiten gestört, und einige Eichen wurden wegen des Baus des Hubschrauberlandeplatzes umgesetzt. Die anfangs gepflanzten Traubeneichen kamen mit dem Standort nicht immer gut zurecht.

Eine dauerhafte Kennzeichnung jedes einzelnen Lebensbaumes war aus forstlicher Sicht nie vorgesehen, um nicht ein bestimmtes Bäumchen über Jahrzehnte einem Kind zuzuordnen. Stattdessen erhielten die Familien Namensschilder aus Papier, die mit der Zeit verwittern sollten. Dauerhaft bleiben die Namen und Geburtsdaten auf den großen Tafeln. Wer Fragen hat, könne sich an den Stadtförster wenden. Mit der Entwicklung ist Düde zufrieden: „Wir haben die Fläche als Wald gut etabliert“, sagt er: „Das wird ein schöner Mischwald.“