Vier Jahre nach seinem ersten Buch „Niemals satt“ legt der Sänger Jan Gorkow, bekannt unter dem Spitznamen „Monchi“, mit neuen Geschichten aus seinem Leben nach. Diesmal geht es um Probleme, die zwar nichts mit der Waage zu tun haben. Nach Auffassung des Frontmanns der Band „Feine Sahne Fischfilet“ (FSF) aber sehr wohl mindestens XXL-Ausmaße annehmen – politisch gesehen jedenfalls.
Monchi bleibt der Heimat treu
Denn der am 13. August bei „Kiepenheuer & Witsch“ erscheinende Titel „Jenseits der Brandmauer – Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“ befasst sich mit der Situation in seiner Heimat, besonders in Mecklenburg-Vorpommern. Dort, in der Kleinstadt Jarmen an der Peene, ist der 38-Jährige aufgewachsen und hält ihr bis heute die Treue.
Wohl wissend, dass gerade in der Provinz viele Menschen die AfD wählen, von der er nichts hält. Und trotz der von seiner Band zur Landtagswahl 2016 gestarteten Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch“ und zahlreicher weiterer Aktionen gegen einen Rechtsruck die folgenden Abstimmungen stetigen Zuwachs für dieses Lager verzeichneten.
Keine Illusionen zur nächsten Wahl
Selbst das viel beachtete eigene Musikfestival „Wasted in Jarmen“ von FSF mit seiner breiten lokalen Zustimmung über politische Grenzen hinweg konnte daran nichts ändern. Oder die von ihnen mitgetragene Initiative zur Errichtung eines BMX-Skate-Parks in der Stadt. Weshalb sich Monchi keinerlei Illusion hingibt, wie im September in der Region der nächste Urnengang für den Schweriner Landtag ausgehen könnte.
Schließlich sehen die Prognosen einen weiteren Schub für die „Alternative für Deutschland“, in einigen Landstrichen sogar eine Mehrheit. „Hier findet gerade ein Umbruch statt“, sagt der Sänger. „Die Frage ist nur, wie groß er wird und was all das bedeutet.“
„Mäuerchen“ statt Brandmauer
„Ich lebe in einem Ort, in dem 54 Prozent der Menschen, mehr als jeder zweite, bei den letzten Wahlen ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben“, resümiert Jan Gorkow in seiner Einstimmung auf das Buch. Er wohne da, wo sich für viele „Brandmauer“ einfach nur wie ein Wort aus der Großstadt anfühlt und auf lokalpolitischer Ebene oftmals nur noch wie ein „Mäuerchen“ scheint, über das selbst Leute seiner Statur locker springen könnten.
„Ich lebe da, wo man sich nicht einfach aus dem Weg gehen kann“, stellt der Vorpommer fest. Sprich, man sich miteinander auseinandersetzen müsse. Wo einfache Antworten schon lange nicht mehr alltagstauglich seien und wo man einen Preis zu zahlen habe, wenn man sich positioniere.
Festival als Treffpunkt
„Brandmauer, das gibt’s hier gar nicht“, äußerte der Familienvater 2025 im Rahmen einer ZDF-Sendung, das besagte eigene Festival eingeschlossen. „Für uns ist die Grenze beim ‚Wasted in Jarmen‛ erstmal, alle seid willkommen, kommt mal her.“
Der 38-Jährige räumte im Gespräch mit dem Nordkurier ein, dass längst nicht jeder lokale Besucher und Mitstreiter die Ansichten der Band teilt oder ihre Musik gut findet. Trotzdem packten sie über Vereine und Institutionen mit an, schnupperten in die Festival-Atmosphäre hinein.
„Es gibt einen Song von uns, da heißt es ‚Lasst uns schaun, was uns verbindet und nicht was uns trennt‛. Genau das wollen wir mit unserem Festival erreichen“, kommentierte der Sänger diesen Umstand. „Wir wollen zeigen, was hier Geiles geht in Jarmen.“
Er bleibt auch nach der Wahl
Er werde auch nach der Wahl noch hier sein, macht der Mann klar. „Ich bin kein Politiker, der nach dem Wahlkampfstand wieder wegfährt. Ich bin kein Journalist, der zwei Tage nach MV kommt, um seine Reportage zu schreiben. Kein Aktivist, der sich nach der Wahl eine neue Kampagne sucht.“ Manchmal kotze er schon ab, doch er liebe Mecklenburg-Vorpommern. „Aber Liebe ist bekanntlich niemals nur einfach.“
Über all das und noch viel mehr habe er nun das neue Buch „Jenseits der Brandmauer“ geschrieben. „Es ist kein Roman, sondern Geschichten, Gedanken, Widersprüche, Fragezeichen und Ausrufezeichen aus meinem Leben. Von mir.“
Dass dieses Druckwerk ausgerechnet an einem besonderen DDR-Jahrestag – zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer – erscheint, sei allerdings Zufall, erklärt Jan Gorkow auf Nachfrage. Der ihm bis dahin gar nicht bewusst gewesen sei. Er, Jahrgang 1987, verbinde das Datum 13. August viel mehr mit der Hochzeit seiner Eltern.
Lesereise startet im November
Autor und Verlag haben eine Lesereise durch Deutschland angekündigt, die Ende November starten soll. Wobei für den 12. August schon mal eine Kostprobe in der Wal-Strandbar in Rostock-Warnemünde versprochen ist.
Die öffentliche Premiere behält sich der Sänger allerdings für seine Heimatstadt vor – am heutigen Dienstag, dem 11. August. Stattfinden soll das Ganze ab 19 Uhr am besagten BMX-Skate-Park. „Ihr braucht kein Ticket. Ich nehme keinen Eintritt. Jeder ist willkommen“, so die Einladung.
„Wir haben einige Stühle und Bänke organisiert. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, bringt euch einfach selbst einen Klappstuhl oder irgendwas zum Sitzen mit.“ Für Trinken und ein bisschen Essen sorgen demnach die Eltern der Blau-Weiß 21 Jarmen-Kids. „Die Einnahmen bleiben komplett beim Verein“, informiert der Autor.