Bornmühl: Ein verschwundenes Dorf und eine grausige Legende
Bornmühl: Verschwundenes Dorf und grausige Legende

Das Dorf Bornmühl in der Gemeinde Boldekow ist heute nur noch eine Wüstung – eine aufgegebene Siedlung. An den Ort am Landgraben erinnern nur noch Mauer- und Fundamentreste sowie Gehölze wie Walnussbäume. Doch eine Legende aus dem Dorf sorgt bis heute für Gänsehaut.

Ein Dorf mit bewegter Geschichte

Bornmühl verdankt seine Existenz einer Frau: Sophie Juliane von Schwerin, die jüngere Schwester von Generalfeldmarschall Curt Christoph von Schwerin, ließ dort 1747 eine Wasser- und eine Windmühle errichten. Der Ort wurde zu einem Vorwerk ausgebaut, berichtete Erhard Stelzig im Anklamer Heimatkalender von 2016.

Das in Bornmühl gemahlene „feine Conditor-Mehl“ soll bis nach Stockholm und Kopenhagen geliefert worden sein. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wassermühle zu einer Meierei umgebaut, in der Butter, Quark und Käse für die umliegenden Güter produziert wurde.

Vom Feuerwehrstützpunkt zum Lost Place

Als die Boldekower vor acht Jahren das 175-jährige Bestehen ihrer Feuerwehr feierten, beriefen sie sich auf ein Dokument aus dem Jahr 1843. In der „Dorf-Feuer-Lösch-Ordnung“ heißt es, dass „für das Dorf Bornmühl eine sogenannte Brand- und Sicherheitswache bestellt“ wird.

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen Russlanddeutsche in das Dorf, die von Stalin des Landes verwiesen worden waren. Erst 1956 kam elektrischer Strom nach Bornmühl. 1970 verließ die letzte Bewohnerin das Dorf, die Gebäude wurden nach und nach abgetragen.

Eine grausige Sage mit wahren Kern

Der ehemalige Lehrer Siegfried Stephan hat eine Legende von einem alten Schäfer aufgeschrieben: Ein Arzt aus Berlin soll die Mühle gekauft haben, um sich vor einem Erpresser zu verstecken. In einer Gewitternacht erstach er den Erpresser und hackte ihm die Hand ab – die er jedoch nicht mehr fand.

In den folgenden Jahren geschahen unheimliche Dinge: Schritte und Kratzen an der Tür. Im dritten Jahr brach der Arzt tot zusammen, mit fünf blauen Flecken am Hals. Bei der Beerdigung hing eine verdorrte Hand an seiner Kehle.

Die Legende hat einen plausiblen Kern: Der Arzt soll seine Praxis um 1872 verkauft haben, als Diphtherie noch eine gefährliche Krankheit war. In Preußen starben von 1881 bis 1886 durchschnittlich 25.000 Säuglinge und Kleinkinder daran. Ein Heilmittel wurde erst 1890 gefunden.