Bei Bauarbeiten am Friedländer Rathaus ist ein alter Brunnen freigelegt worden. Kreisrund führte der aus Feldsteinen gemauerte Schacht in die Tiefe. Unten glitzerte Wasser im Licht der einfallenden Sonne. Das Glitzern ist Vergangenheit, denn die Helligkeit am Grunde des einstigen Trinkwasserspenders wurde sogleich wieder abgedunkelt – mit selbst verdichtendem Beton, wie Bürgermeister Frank Nieswandt (Die Linke) bei der Stadtvertretersitzung am Mittwochabend mitteilte.
Fund im Rathaus-Umfeld
Seit Juni wird das Umfeld des Verwaltungssitzes umgebaut. „Dabei wurde eine ganze Reihe von Funden aufgedeckt und dokumentiert“, so auch der Brunnen, sagte der Bürgermeister. Die Denkmalbehörde habe das Bauwerk erfasst und seine historische Bedeutung beurteilt, das Saugrohr sei ins Museum gebracht worden, „danach erfolgte die Freigabe zur Verfüllung“.
Man habe sich dagegen entschieden, das Relikt aus vergangenen Zeiten zu restaurieren und als Sehenswürdigkeit aufzuarbeiten, weil es derart ungünstig im Bereich der Zufahrt zum Amtssitz liege, dass Autos kaum hätten passieren können. „Das wäre sehr schwierig geworden, weil durch die Fahrzeuge eine erhebliche Belastung gegeben ist. Die statische Tragfähigkeit des Hohlraums ist nicht bekannt“, erklärte Frank Nieswandt. Daher sei die Wahl auf Flüssigbeton gefallen.
Kritik aus der Bevölkerung
In Friedland gebe es rund 260 ähnliche Brunnen. Einer davon sei im örtlichen Museum zu sehen. Zuvor hatte es Kritik aus der Bevölkerung an der Behandlung des Stücks Geschichte gegeben. „War das nötig, den zuzuschütten? Ich finde das traurig, unmöglich“, sagte eine Frau in der Einwohnerfragestunde der Stadtvertretersitzung. Der suspendierte Wehrführer Stephan Drews, ebenfalls Einwohner der Stadt, hatte einen Fragenkatalog an die Stadtverwaltung geschickt. Auch auf Facebook machte der Vorgang die Runde und fand Kritiker. „Aus Sicht der Stadt entstand ein verzerrter, falscher Eindruck über den Umgang mit dem Fund“, kommentierte der Bürgermeister die öffentliche Schelte.
Keinesfalls handele es sich um eine „Methode aus Bösartigkeit“, sondern um „verantwortungsvollen Umgang“. „Geschichte wird nicht achtlos verschüttet, sondern fachlich begleitet dokumentiert. Wie stehen zu dem Umgang mit unserem Erbe.“
Strafanzeige angekündigt
Nichtsdestotrotz pocht Stephan Drews darauf, dass die Verwaltung prüft, „ob Verstöße gegen das Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern vorliegen könnten“. Darüber hinaus kündigte er an, den Bürgermeister anzuzeigen. „Die Strafanzeige erfolgt ausdrücklich als Verdachtsanzeige. Damit ist keine Vorverurteilung verbunden. Die Ermittlung der tatsächlichen Verantwortlichkeiten sowie die abschließende strafrechtliche Würdigung obliegen ausschließlich den zuständigen Ermittlungsbehörden und gegebenenfalls den Gerichten“, betont der 47-Jährige in seinem Schreiben ans Rathaus.
Ihm stoße unter anderem die Kurzfristigkeit der Verfüllung auf. „Ich bedauere es sehr, wenn ein möglicherweise historisch oder archäologisch wertvoller Befund verfüllt worden sein sollte, ohne dass zuvor alle Möglichkeiten seiner Untersuchung, Dokumentation und Erhaltung ausgeschöpft worden sind.“
Umbau zur klimagerechten Fläche
Das Umfeld des Rathauses, bisher vollständig mit Betonsteinen versiegelt, wird derzeit zu einer „klimagerechten Fläche aufgewertet“, heißt es von der Verwaltung. Ebenso sei geplant, die Parkplatzsituation rund um das Rathaus zu erleichtern, 36 Parkplätze sollen entstehen. Außerdem kämen Bänke zum Einsatz, und es werde eine Öffnung zum August-Bebel-Platz mit neuen Wegen geben. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis zum Ende des Jahres.