Jörg Pfütze aus Löcknitz war am 8. August bei der Demonstration „Projekt M1llion“ in Plauen dabei. Der 63-Jährige ist enttäuscht über die Medienberichte: Er schätzt, dass nicht 10.000, sondern 20.000 bis 30.000 Menschen auf die Straße gingen.
Anreise mit dem Protestteam
Pfütze reiste mit neun oder zehn Personen in drei Pkws und einem Wohnmobil an. Der Familienvater hat das Protestteam „Klockow 24“ mitgegründet, das seit Monaten auf Autobahnbrücken der Region Flagge zeigt. Er warnt vor dem sozialen Niedergang Deutschlands, der aus seiner Sicht zur Verarmung der Bevölkerung führt und den Ukraine-Krieg ausweitet.
Der ehemalige Postangestellte betonte, dass er und seine Mitstreiter lange geplant hatten, nach Plauen zu fahren: „Wir scheuten weder finanzielle Kosten noch Zeit und Kraft, um etwas für ´unsere Demokratie´ zu tun.“ Er wolle die Menschen aufrütteln, denn er empfinde es als „einfach schlimm, wie für Krieg aufgerüstet wird, was mit unserer Wirtschaft passiert und wie die Preise steigen. Diese Politik ist nicht mehr zu ertragen – es müssen mehr Leute auf die Straße gehen!“
Menschen vom Sofa holen
Pfütze kritisierte, dass viele Menschen zu bequem seien, ihre Stimme zu erheben. Auf der Demo traf er Leute, mit denen er bisher nur schriftlich kommuniziert hatte und die noch nie auf einer Demo waren. „Alle sagten, sie seien total begeistert gewesen und beim nächsten Mal wieder dabei. Genau darum geht es: Solche Demos sind wichtig, weil sie mehr Leute mitreißen.“
Früher habe er sich politisch kaum engagiert, gesteht er. Erst in den letzten Jahren sei das Interesse gekommen, „weil sich aus meiner Sicht alles dermaßen verschlimmert hat: die Deindustrialisierung, die Zahl der Gewalttaten, die Hochrüstung, die Feindbilder. Alles hat sich sehr verschlechtert …“
Friedlicher Verlauf
Die Demonstration gegen die Politik der Bundesregierung forderte den Rücktritt der Regierung. Die Initiative „Einigkeit für Deutschland / Projekt M1llion“ mobilisierte bundesweit. Pfütze betonte: „Alles ist friedlich verlaufen“ und kritisierte Medien, die etwas anderes behaupteten. Er wies Vorwürfe zurück, dass durch die Polizeikräfte Steuergeld verschwendet worden sei. Seiner Ansicht nach hätten linksorientierte Gegendemonstrationen nicht zugelassen werden sollen: „Hätten die Beteiligten den Begriff Meinungsfreiheit und Demokratie verstanden, hätte es keinen Polizeieinsatz gebraucht.“
Die Polizei verhielt sich kooperativ, aber Pfütze nannte auch Mängel: Bei einer Schweigeminute für eine verstorbene Frau aus Hessen habe die Polizei über Lautsprecher gestört. Zudem hätten Einsatzkräfte Trommler am Ende einer Unterführung eingekesselt und den Zug eine Stunde gestoppt.
Fahnen und Forderungen
Eine Polizeisprecherin bestätigte der dpa, dass die Demo friedlich verlief. Teilnehmer zeigten zahlreiche Deutschlandfahnen und blaue Flaggen mit weißen Tauben. Auch Fahnen des Königreichs Sachsen seien aufgetaucht, die häufig von den Freien Sachsen verwendet werden. Pfütze erklärte, er habe keine verbotenen Fahnen oder Symbole gesehen: „Ganz normale, friedliche Menschen aus dem Volk nahmen teil. Alle Altersklassen und Berufsgruppen waren vertreten, darunter auch Menschen mit Behinderung und Rollstuhlfahrer. Viele Teilnehmer kamen von weiter her.“
Die Protestbewegung forderte den Rücktritt der Bundesregierung und Neuwahlen. Laut dpa rief ein Redner zum Auftakt: „Dieses Kartell, diese Regierung muss weg!“ Gefordert wurden außerdem niedrigere Abgaben bei Strom und Gas, ein bundesweites 29-Euro-Ticket, eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die sofortige Ausweisung aller verurteilten, straffälligen und illegalen Migranten.