Der frühere Neubrandenburger Polizeichef Siegfried Stang hat mit „Der Fall Darsow – Ein Justizirrtum?“ sein drittes Buch über ein wahres Verbrechen veröffentlicht. Darin setzt er sich kritisch mit den Ermittlungen zum Doppelmord von Babenhausen aus dem Jahr 2009 auseinander. Stang, der 42 Jahre im Polizeidienst war, vermutet, dass die Beweise gegen den verurteilten Andreas Darsow nicht stichhaltig sind und ein Justizirrtum vorliegen könnte.
Zweifel an der Ermittlungsarbeit
In dem Fall wurden ein Immobilienmakler und dessen Ehefrau in ihrem Haus in der hessischen Kleinstadt erschossen, die autistische Tochter überlebte schwer verletzt. Die Ermittlungen konzentrierten sich schnell auf den Nachbarn Andreas Darsow, dem vorgeworfen wurde, sich der Lärmbelästigung entledigen zu wollen. Stang kritisiert, dass andere Spuren – etwa zu kriminellen Einbrechern, osteuropäischen Geschäftemachern oder ins Rockermilieu – nicht ausreichend verfolgt wurden. Er nennt Details wie durchsuchungen „mit Ansage“, die verzögerte Untersuchung von Computern und auffällig viele polizeiliche „Eindrucksvermerke“ über den Verdächtigen.
Besonders hebt Stang hervor, dass weder DNA-Spuren am Tatort noch die Tatwaffe gefunden wurden. Auch die eingesetzten Fährtenhunde führten nicht zu Darsow, und die Überlebende sprach von Tätern in der Mehrzahl. Diese Punkte hätten zu einer anderen Bewertung führen müssen, so der Autor. Er betont, dass er den Ermittlern keine Pflichtverletzung nachweisen könne, aber Details und Möglichkeiten benennen wolle, die „nicht gesehen, außer Acht gelassen oder falsch eingeschätzt“ worden seien.
Persönliche Verbindungen und Ausblick
Anders als bei seinen früheren Büchern über den Usedom-Mord und den Fall Jens Söring konnte Stang nicht persönlich mit Andreas Darsow sprechen. Nur schriftlicher Kontakt war möglich, auch zu dessen Ehefrau, die während der Tatzeit mit den Kindern ihre Großeltern in Neubrandenburg besuchte. Sie engagiert sich öffentlich für die Unschuld ihres Mannes und erlebt die ausbleibende Wiederaufnahme des Verfahrens als „Bestrafung“. Eine Aussetzung der Haft zur Bewährung könnte frühestens 2031 erfolgen.
Stang, der in Carpin lebt, will sich nach diesem Buch wieder belletristischen Stoffen zuwenden. Interessiert ist er etwa an der Geschichte der Insel Tromelin im Indischen Ozean, wo im 18. Jahrhundert ein Sklavenschiff scheiterte und Überlebende 15 Jahre ausharrten. Sein aktuelles Werk ist in der Edition digital erschienen (ISBN 978-3-68912-669-8, 22,99 Euro, E-Book 9,99 Euro). Am 2. September liest er um 19 Uhr im Antiquariat Neustrelitz aus „Der Usedom-Mord“.