Die Hanning Elektro-Werke in Eggesin können sich über Auftragsmangel nicht beklagen. Trotz hoher Energiekosten und Konkurrenz aus Fernost sind die Auftragsbücher voll, wie Geschäftsführer Nader Halmuschi bei einem Firmenbesuch von Landrat Michael Sack (CDU) betonte. Rund 350.000 fertige Erzeugnisse – Elektromotoren, Entleerungspumpen und Frequenzumrichter – verlassen jährlich den Betrieb. Die Produkte gehen in die USA, nach Europa, Asien und Australien, erklärt Werkleiter Christian Fichtner.
Standort mit Tradition
Die Geschichte der Motorenfertigung in Eggesin reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Damals produzierte ein Elektromotorenwerk (ELMO) zunächst in Baracken an der Randow-Brücke, später am heutigen Standort an der Binning. Nach der Schließung 1990 übernahmen die Hanning Elektro-Werke aus Oerlinghausen (Nordrhein-Westfalen) die Flächen und gründeten 1992 ihre Niederlassung. Mit zunächst 30 Mitarbeitern startete die Produktion, heute sind hier 240 Menschen beschäftigt.
Vielfältige Einsatzgebiete
Die Motoren aus Eggesin finden sich in Lüftungsanlagen für Hühner- und Schweineställe, in Zentrifugen für Medizin- und Labortechnik, in Poolanlagen und sogar in Antrieben für Zahnarztstühle. Vor allem aber sind sie in der Industrie im Einsatz. Die Motoren sind keine Katalogware: Sie werden in enger Zusammenarbeit mit den Kunden nach deren Wünschen entwickelt und gebaut, erklärt der Geschäftsführer.
Alles aus einer Hand
Ein geschlossenes System kennzeichnet die Produktion im Werk. Die Hanning Elektro-Werke stellen einen Großteil der Bauteile und Betriebsmittel selbst her. In der eigenen Gießerei entstehen Teile im Aluminiumdruckguss, die in der mechanischen Fertigung weiterbearbeitet werden. Auch die Leiterplatten für die Motorsteuerung werden selbst gefertigt – größtenteils automatisch: SMD-Bestückungsautomaten setzen bis zu 60.000 Elektronikbauteile pro Stunde auf die Platinen, größere Bauteile werden per Hand mit Lötkolben montiert. Dadurch kann eine neue Motorenproduktion schnell Serienreife erreichen.
Zahlen und Fakten
Monatlich werden im 800 Grad heißen Kipptiegelofen 55 Tonnen Aluminium geschmolzen. Die Druckgussmaschinen bringen das flüssige Metall in Form, anschließend erfolgt die mechanische Bearbeitung. Nach der Bestückung der Platinen und dem Wickeln des Kupferdrahts werden die Motoren in einer weiteren Halle montiert. Auf dem Gelände gibt es fünf Produktions- und drei Lagerhallen, darunter eine für Pumpen- und Wellenfertigung. Die Beschäftigten kommen aus einem Umkreis von 80 Kilometern, auch polnische Mitarbeiter arbeiten hier. Mit Zeitarbeitsfirmen wird bei der Personalsuche kooperiert. Aktuell werden fünf Lehrlinge ausgebildet, im August beginnt erstmals ein Azubi die Ausbildung zum Mechatroniker.
Unternehmensgruppe
Die Hanning Elektro-Werke wurden 1947 in Oerlinghausen gegründet. Heute beschäftigt das Unternehmen 1500 Mitarbeiter an vier Standorten, darunter Werke in Rumänien und Indien. In Indien werden ausschließlich Pumpen für Wasch- und Spülmaschinen gefertigt. Geschäftsführer Halmuschi zeigt sich zufrieden: „Wir sind froh, den Standort Eggesin zu haben.“ Eine Herausforderung sei allerdings der hohe Krankenstand.