Anklamer Hansefest trotz Hitze und Sparzwang mit über 10.000 Gästen
Hansefest Anklam: 10.000 Besucher trotz Hitze und Sparzwang

Das 21. Anklamer Hansefest am Peeneufer ist am Freitagnachmittag mit den drei traditionellen Böllerschüssen eröffnet worden. Bis zum frühen Sonntagabend reihte sich ein Programmpunkt an den anderen. Trotz Temperaturen weit über 30 Grad und der angespannten Haushaltslage kamen mehr als 10.000 Besucher.

Auftritt von Vincent Gross und Partyprogramm

Erster großer Höhepunkt war der Auftritt von Stargast Vincent Gross am Freitagabend. Für seinen Ouzo-Song holte er sich tanzkräftige Unterstützung der Partytruppe „Halligallühs“ aus Lühmannsdorf auf die Bühne, die bereits im Vorprogramm in Matrosenkostümen für Stimmung gesorgt hatte. Nach seinem Auftritt nahm sich der Schweizer Musiker Zeit für Autogramme und Selfies mit seinen Fans.

Nach einem viel gelobten Feuerwerk wurde auf der Hauptbühne bis in die späte Sommernacht mit DJs aus der Region getanzt und gefeiert. Am Samstag sorgte der Wettergott mit Temperaturen über 30 Grad für eine Herausforderung. Viele Anklamer überlegten sich zweimal, ob sie sich in die Hitze wagen. Auf den ersten Blick nutzten weniger Besucher als in den Vorjahren die Angebote auf der langen Händlermeile und im großen Schaustellerbereich mit Autoscooter, Achterbahn und weiteren Fahrgeschäften.

Besucherrückgang trotz Programm

Das durchgängige Programm auf der Haupt- und Nordbühne wurde von den Gästen von schützenden Schattenplätzen aus beobachtet. Bereits vor der Eröffnung war das Peeneschwimmen wegen der hohen Blaualgenbelastung abgesagt worden. Alle anderen Programmpunkte, wie das beliebte Kutterrudern am Samstagnachmittag, fanden regulär statt, so die Organisatoren. Mit kühleren Temperaturen am Samstagabend und am Sonntag füllte sich die Volksfestmeile wieder sichtbar.

Mitorganisatorin Anne-Katrin Woydt aus dem Anklamer Rathaus sieht nach einem ersten Blick auf die Besucherzahlen einen deutlichen Rückgang. Das sei ihr auch von Händlern und Schaustellern gespiegelt worden. Genau abgerechnet werde erst in der detaillierten Rückschau. Vermutlich blieben die Gäste wegen der hohen Temperaturen insbesondere am Samstag aus. Der Freitagabend war auch im Vergleich zu den Vorjahren gut besucht. Insgesamt waren wohl nur etwas mehr als 10.000 Besucher auf dem diesjährigen Fest. In guten Vorjahren hatte man dagegen 17.000 und 20.000 Besucher gezählt.

Abgesehen von einem Gast, der mit einem Messer bewaffnet war, und einigen Rangeleien gab es keine Vorkommnisse, die die Sicherheitskräfte und die Polizei nicht auf kurzem Wege lösen konnten. Der ASB vermeldete nur eine überschaubare Anzahl an Verletzten und Gästen mit gesundheitlichen Problemen. Die meisten Leute hatten sich auf die Hitze eingestellt. Der Samstagabend verlief insgesamt ruhiger als der Freitagabend, so Woydt.

Sparvorschläge von Besuchern

Wegen der schwierigen Haushaltslage und Sparauflagen war im Vorfeld lange um das Hansefest gerungen worden. Auch unter den Besuchern war dies ein Thema. Der Anklamer Matthias Giertz begrüßt generell, dass etwas für die Anklamer veranstaltet wird und wenigstens einmal im Jahr den Familien und jungen Menschen etwas geboten werde, aber nicht um jeden Preis. „Es wird suggeriert, dass man trotz leerer Kassen einfach weitermachen kann, als wäre nichts und das ist das falsche Zeichen an die Menschen“, erklärt er. Für ihn sei nicht nur die Hitze ein Grund für den Besucherrückgang, denn die Menschen blieben, anders als die Stadt, zu Hause, wenn sie kein Geld haben.

Die gebürtige Anklamerin Chris lebt seit über 40 Jahren in Berlin und ist zu Besuch in ihrer Heimatstadt. Für sie sollte die Stadt nicht am Hansefest sparen. Das findet sie toll und verbindet den Termin gern mit einem Besuch bei ihrer Mutter und ihrer Schwester. Ob die Stadt jedoch die roten Bänke oder den „großen Infotempel neben der Nikolaikirche“ bräuchte, stellt sie infrage. Wenn an anderer Stelle gespart würde, könnte auch das Hansefest weiterhin wie gewohnt gefeiert werden.

Die Anklamerinnen Ilka, Britta und Stefanie schlendern gern über die Feiermeile. Eine Absage des Hansefest sei für sie keine Option. Sie hätten weitere Ideen, an welcher Stelle Geld eingespart werden könne. Für sie bräuchte es beispielsweise kein Feuerwerk und keinen Hauptact am Freitagabend, die seien ohnehin immer Geschmackssache und kosten sehr viel Geld. Auch das parallele Tagesprogramm auf den zwei Bühnen würden sie streichen, die seien nur wenig frequentiert. Eine Bühne würde tagsüber reichen, meinen sie, besonders wenn am Samstagnachmittag die meisten Menschen wegen des Kutterruderns auf das Fest kommen. Am Abend könnte man den Gästen dann wieder mehr Programmauswahl an zwei Standorten geben.