DDR-Kultband „Karussell“ feiert Jubiläum in Jarmen – Freundschaft seit den Siebzigern
„Karussell“-Jubiläum in Jarmen: Freundschaft seit den Siebzigern

Zugaben, stehende Ovationen und viele zufriedene Gesichter: Der jüngste Auftritt von „Karussell“ in Jarmen hatte es mal wieder in sich. Die aus der DDR bekannte Rockband und ihre Fans feierten damit den mittlerweile 50. Geburtstag der Formation.

Lange Beziehung zwischen Band und Stadt

Zwischen den Musikern aus Sachsen und der Kleinstadt im Nordosten besteht eine lange freundschaftliche und sehr persönliche Beziehung, die weit in die Siebziger zurückreicht. Ihren Ursprung hat sie in der Langeweile von Dieter Beich, heute 69.

Der stieg als Sprössling eines Jarmener Dachdecker-Familienbetriebes mit 16 ebenfalls in dieses Gewerk ein. Die entsprechende Berufsschule der DDR stand im thüringischen Neustadt-Orla. Mehrere Wochen am Stück musste der Vorpommer dort zum Unterricht, fuhr angesichts der Entfernung zwischendurch nicht nach Hause. Stattdessen zog er in der Freizeit mit anderen jungen Leuten auf Konzerte, wie etwa die der legendären Leipziger Formation „Renft“.

Persönliche Kontakte zu den Musikern

Am Rande dieser Veranstaltungen entwickelten sich erste persönliche Kontakte zu Sänger und Gitarrist Peter „Cäsar“ Gläser. Die blieben nach dem Verbot der Band 1975 bestehen, als der Musiker bei der von vielen als Nachfolge-Modell angesehenen „Karussell“ einstieg. Über den 2008 verstorbenen Gläser lernte Dieter Beich damals den Gründungsvater und Keyboarder Wolf-Rüdiger Raschke kennen und schätzen. In der Folge hielten das Künstler-Duo und der Dachdecker steten privaten Kontakt – inklusive Besuch im Nordosten.

Erstmals offiziell ließ sich die beliebte Band 1981 in der Peenestadt sehen, sogar gleich mit zwei Konzerten in der Schülergaststätte, dem heutigen kommunalen Kulturzentrum. „Das Erste im Frühjahr lief über die Konzert- und Gastspieldirektion, das andere im Sommer war dann ‚privat‘“, erinnerte sich der Dachdeckermeister. Der Saal sei rappelvoll gewesen.

Comeback und regelmäßige Auftritte

Nach der Wende hatte sich die Band eigentlich aufgelöst. Doch 2007 taten sich Wolf-Rüdiger Raschke und sein Sohn Joe mit dem alten Gitarristen Reinhard „Oschek“ Huth zu einer neuen „Karussell“-Variante zusammen. Einer ihrer ersten Comeback-Auftritte führte an die Peene. Im Jahr darauf rückten sie erneut an – zum Oktoberfest am Hafen. Die Krönung lieferte 2012, als die Truppe zum Stadt- und Vereinsfest anlässlich des 40. Geburtstages des Motoball-Vereins MSC auf die Bühne trat – vor rund 2000 Besuchern. „Wenn Jarmen uns ruft, sind wir immer da“, äußerte damals der Bandvater im Nordkurier-Interview.

Wolf-Rüdiger Raschke hielt sich an das Versprechen und beließ es nicht bei normalen Bühnenauftritten. Im Rahmen des Jarmener Gesprächskreises stand er beispielsweise bei einem sehr persönlichen Interview-Abend samt Musikeinlage Rede und Antwort. Zudem wurde in dieser Runde ihr 2014 produzierter Film „Vier Tage Hiddensee“ vorgestellt und 2018 die Dokumentation „Ela singt“. Sie erzählt die Geschichte um eine junge Frau aus Altentreptow mit Handicap, die durch den Kontakt zur Band und deren Musik ein neues Selbstbewusstsein entwickelte.

Jubiläumskonzert in der Marienkirche

Corona bremste den Musik- und Veranstaltungsbetrieb aus, doch 2022 traten die Musiker im Zuge ihrer ersten Kirchenkonzert-Tour wieder in der Peenestadt auf – in St. Marien. Inzwischen agiert Dieter Beich als Nordmanager der Truppe. Im Rahmen ihrer 50-Jahre-Jubiläumstour gastierte die Band erneut in der dortigen Kirche. Rund 280 Fans wollten sich dieses Klang- und Lichtspektakel im Gotteshaus nicht entgehen lassen. Für dessen Sanierung stifteten die Musiker zehn Prozent des Tageserlöses, wie Pastor Arnold Pett verriet.

Zum Auftakt lief ein halbstündiger Film über die Historie der mittlerweile drei Generationen umfassenden Band. Danach traten Vater und Sohn samt ihren aktuellen Mitstreitern Reinhard Huth, Jan Kirsten, Benno Jähnert und Moritz Pachale auf die Bühne. Letzterer feierte an diesem Tag sogar seinen 24. Geburtstag. Sie präsentierten viele jüngere und einige legendäre ältere Stücke. Der Funke zum Publikum sprang rasend schnell über: Schon beim zweiten Titel klatschten die Leute mit, und zum finalen „Als ich fortging“ sang der ganze „Saal“ lauthals mit.