Kolumne: Mallorcas Proteste gegen Tourismus sind undankbar und dumm
Mallorcas Proteste: Undankbar und dumm

Zehntausende Demonstranten ziehen durch die Straßen von Palma de Mallorca – ein Fehler, meint Kolumnist Robin Halle. Auf den ersten Blick wirke die Wut der Mallorquiner nachvollziehbar: 13 Millionen Touristen pro Jahr machten das Leben mühsam – überfüllte Busse, Staus, teurer Wohnraum, zeitweise Wasserknappheit.

Probleme selbst geschaffen

Auf den zweiten Blick seien dies jedoch hausgemachte Probleme. Die Mallorquiner hätten den Massentourismus ab den 1960er Jahren selbst gewollt, angetrieben durch die Eröffnung des internationalen Flughafens Son Sant Joan. Sie schufen die Infrastruktur, die sie heute verteufeln: Bettenburgen, Ballermann, Bierkönig. Es gelang ihnen nicht, das jahrzehntelange Wachstum in geordnete Bahnen zu lenken.

Vielfach seien es dieselben Mallorquiner, die ihre Wohnungen teuer an Urlauber vermieteten und dennoch motzten. Notare auf Mallorca verdienten bei Immobilienverkäufen prächtig.

Verkauf und Vermietung erfolgen freiwillig

Verkauf, Vermietung und Verpachtung geschähen freiwillig. Viele Mallorquiner seien durch den Tourismus zu Millionären geworden – mit Fischfang und Landwirtschaft wäre das unmöglich. Heute hingen Hunderttausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt am Tourismus. Urlauber gäben jährlich mehr als 20 Milliarden Euro auf den Balearen aus.

Es sei Aufgabe der Regierung, mit diesem Geld sozialen Wohnraum zu schaffen, den ÖPNV auszubauen und Straßen zu bauen. Die Zahl der Mietwagen zu begrenzen, bekämpfe nur ein Symptom, nicht die Ursache.

Dankbarkeit gegenüber deutschen Urlaubern

Statt zu demonstrieren, sollten die Spanier dankbar sein – besonders gegenüber Urlaubern aus Deutschland. Sie stellten seit Jahrzehnten die größte Touristengruppe, brächten das meiste Geld auf die Insel, kauften die meisten Immobilien, sanierten historische Fincas und kurbelten das lokale Handwerk an. Sie flögen auch in der Nebensaison zum Wandern, Radfahren oder Golfen nach Mallorca und sicherten Hotels und Gastronomie dauerhafte Einnahmen.

Deshalb: Viele Deutsche lieben Mallorca – und das solle so bleiben. Die Botschaft: Hört auf mit den Protesten! Alles andere sei unverschämt, undankbar und dumm.