Jan Gorkow, bekannt als Monchi, Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet, hat sein zweites Buch veröffentlicht. „Jenseits der Brandmauer“ erschien am 13. August bei Kiepenheuer & Witsch. Der Sänger beschreibt darin seinen Alltag in der vorpommerschen Provinz, wo bei der letzten Wahl 54 Prozent der Menschen die AfD gewählt haben.
Die Brandmauer als Großstadtbegriff
Monchi sagt im Interview mit dem Nordkurier: „Die Brandmauer existiert in meiner Heimatstadt Jarmen nicht.“ Sie sei allenfalls ein „Mäuerchen“ und „einer dieser Begriffe aus der Großstadt“. Die hohe AfD-Zustimmung erklärt er mit dem fehlenden Vertrauen in die etablierten Parteien: „Und allein dass die AfD, Brandmauer sei Dank, authentisch vermitteln kann, dass sie nicht ‚zu denen‘ gehört, reicht vielen schon.“
Der Musiker betont: „Die AfD ist nicht so stark, weil sie stark ist, sondern weil die anderen so schwach sind.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass auf den Dörfern viel Gutes passiere: „Es gibt unglaublich viele Menschen, die rödeln, wie bekloppt um was zu reißen.“
Stadt-Land-Gefälle und persönliche Erfahrungen
Für Monchi ist das AfD-Thema „viel mehr ein Stadt-Land-Thema“. In Jarmen gebe es Probleme, die Großstädter nicht kennen: Nach 20 Uhr sei nur ein Dönerladen offen, es fehlten Kinos, Theater und Ärzte, die Überalterung sei spürbar. Der Bus fahre selten, der nächste Bahnhof sei 22 Kilometer entfernt, der Winter sei „beschissen“. Er ist überzeugt: „Jarmen ist einer Kleinstadt im Saarland ganz bestimmt näher als einer Großstadt im Osten.“
Der Sänger ist in Jarmen aufgewachsen, zog nach Rostock und kehrte als frischgebackener Vater zurück. Seine Mutter ist Zahnärztin, sein Vater engagiert sich im Kirchenrat. Als Jugendlicher war er ein „Crash-Kid“ und suchte den Stress. Mit 15 bekam er das erste Mal „so richtig aufs Maul von Neonazis“ – eine prägende Erfahrung, die ihn in die linke Szene führte, wo er zeitweise auch gewaltvoll aktiv war.
Differenzierte Sicht auf AfD-Wähler
Im Buch zitiert Monchi die Losung „Wer die AfD wählt, ist ein Nazi und mit Nazis spricht man nicht.“ Früher hätte er das selbst unterschrieben, heute denke er differenzierter. Auf die Frage, ob er sich noch als links bezeichne, antwortet er: „Weiß nicht. Wenn ich in Berlin stehe, fühle ich mich eher konservativ, wenn ich auf dem Dorf bin, fühle ich mich eher links.“
Er werde niemals der AfD hinterherlaufen, betont er. Doch er fragt sich: „Wo würde ein 16-jähriger Monchi heute landen?“ In seinem Buch schreibt er: „So, wie es zuvor in einigen Regionen Deutschlands bei vielen Jugendlichen eher cool war, links zu sein, ist es jetzt eher cool, rechts zu sein.“
Begegnung mit Jugendlichen und Engagement vor Ort
Eine bemerkenswerte Geschichte in seinem Buch handelt von zwei Jugendlichen, die er für das Festival „Wasted in Jarmen“ begeistern konnte. Sie tauchten auf, halfen mit, und einige äußerten sich afd-nah. Monchi erklärt: „Aber der Punkt ist dann eben, sie nicht auszuschließen, sondern zu zeigen, was geht und was nicht und vor allem warum.“
Der Sänger unterstützte die Initiative zum Bau eines Skateparks in Jarmen, wo er eine seiner ersten Lesungen abhielt. Er kritisiert die bisherige Förderpolitik und fordert, lieber gezielt in lokale Initiativen zu investieren, statt in „das zehnte Töpfern gegen rechts“ oder anonyme „Demokratiefeste, zu denen am Ende fünf Leute kommen und die Organisatoren danach wieder verschwinden“.
„Jenseits der Brandmauer“ ist keine wissenschaftliche Analyse, sondern ein Buch der offenen Fragen und der Liebeserklärung eines „antifaschistischen Lokalpatrioten“ an seine Heimat. Das Hardcover kostet rund 20 Euro, eine E-Book-Ausgabe ist ebenfalls erhältlich.