Die denkmalgeschützte Mühlenvilla in Bützow, in der einst der Künstler Ernst Barlach verkehrte, soll versteigert werden. Die Besitzer Michel und Neil Kilindo planen, nach Frankreich zu ziehen. Die Versteigerung findet am 3. September in Hamburg statt, das Mindestgebot liegt bei 695.000 Euro.
Besitzer zieht es nach Frankreich
Michel und Neil Kilindo werden weiterziehen. Das Internationale liegt den Wahl-Bützowern im Blut. Michel Kilindo ist gebürtige Engländerin, ihr Vater stammt von den Seychellen, und ihr Mann Neil ist Brite. Auf den schönen Seychellen haben sie bereits gelebt, doch der Hitze wegen kamen sie wieder nach Europa.
Fünf Jahre Schwerin stehen in ihrem untersten Lebenslauf, bevor sie die pittoreske Mühlenvilla in Bützow fanden. 15 Jahre war hier ihr Domizil. „Die längste Zeit in unserem Leben an einem Ort war hier“, erzählt das Paar. Etwas sehnsüchtig schauen die zwei von ihrer großen Terrasse rückseits der Gründerzeit-Villa auf die Warnow samt Hafengelände. Ein Hafen verspricht Rast nur für kurze Zeit, bevor es weitergeht.
Bed & Breakfast in Frankreich
Viel haben sie hier erlebt und gesehen, unter anderem den Tornado, der Dächer und den Bützower Kirchturm umgeknickt hatte wie einen Halm. „Eigentlich wollten wir nie länger als zehn Jahre irgendwo sesshaft sein. Unser Sohn hat jetzt das 600-Quadratmeter-Nest in Bützow verlassen und ist zum Abitur nach England gegangen.“ Es ist leer, also zieht es die zwei nun nach Frankreich. Wie auch in Bützow möchten sie dort ein Bed&Breakfast etablieren.
„Die Bausubstanz war super, als wir hier einzogen“, erzählt Michel Kilindo. Allerdings hatte sich der Vorbesitzer bei der kobaltblauen Farbwahl der Holzverzierungen wohl von Zirkuswagen inspirieren lassen, schmunzelt sie. Ökologisch restauriert nach Originalvorgaben hätten die Kilindos dann vieles im Haus, wie sie berichtet. „Ich habe immer in alten Häusern gelebt“, sagt Michel Kilindo. Ihr Mann Neil, eigentlich PC-Programmierer, arbeitet als Masseur im Hotelschloss Burg Schlitz bei Teterow und hat im Keller des Hauses ein Spa, während sie sich um die „gut laufende“ Vermietung der Villa kümmert und den Garten als Selbstversorger bewirtschaftet.
Barlach-Briefe gesucht
Ihre Mühlenvilla soll nun - in einem zweiten Versuch - auf der Norddeutschen Grundstücksauktion versteigert werden. Die denkmalgeschützte Villa auf 8000 Quadratmetern am Fluss ist ein Schmuckstück unter den insgesamt 31 norddeutschen Immobilien, die am 3. September in Hamburg unter den Hammer kommen sollen. Mindestgebot für Bützow: 695.000 Euro.
Was das mehretagige Haus aus rotem Backstein mit seinen holzgeschnitzten Verzierungen und Wintergarten noch attraktiver macht ist, dass hier einst wohl Star-Künstler Ernst Barlach ein und aus ging. Er war mit der kunstinteressierten Tochter des Mühlenbesitzers und Bewohnerin der Villa befreundet. Hier beherbergte er auch einige seiner Skulpturen.
Ein Umstand, den die jetzigen Noch-Besitzer mit Ehrfurcht behandeln. „Ich hatte ja keine Ahnung, wie bedeutend Ernst Barlach war“, bekennt Michel Kilindo. „Als wir einzogen, hatte ich die sehr wertvollen originalen Briefe des Künstlers gefunden, gelesen und wieder weggelegt. Und ich weiß nicht mehr, wohin“, ist sie etwas ratlos.
Umzug samt Gewächshaus und Hühnerstall
Samt Gewächshaus und Hühnerstall werden sie nun nach Frankreich ziehen, wenn die Versteigerung glückt. „Wir werden all das hier vermissen, freuen uns aber auch auf ein neues Abenteuer“, blickt Michel Kilindo voraus. Vieles gilt es jetzt zu räumen und zu sortieren. Vor allem hofft Michel Kilindo darauf, die Briefe von Ernst Barlach wiederzufinden. „Dann werde ich sie ans Barlach Museum in Güstrow geben. Christin Sobeck würde das sehr freuen. „Das wäre natürlich hoch spannend für uns“, meint die Kuratorin des Museums.