Mit nervösem Auf-und-Abgehen beginnt der Abend, dann nimmt Jan Gorkow, bekannt als „Monchi“, auf einem Sessel Platz – mitten auf dem Skatepark in Jarmen, seiner Heimatstadt. Mehr als 250 Menschen haben sich auf Bänken, mitgebrachten Klappstühlen oder auf den Rampen der Skaterbahn versammelt, um die erste Lesung aus seinem neuen Buch „Jenseits der Brandmauer. Mein Leben in der ostdeutschen Provinz“ zu erleben.
Ein Blick auf die Heimat nach der Bundestagswahl
In dem Buch setzt sich der Frontmann der Band „Feine Sahne Fischfilet“ mit den Menschen in seiner Heimat auseinander. Gut die Hälfte der Jarmenerinnen und Jarmener hat bei der Bundestagswahl 2025 die AfD gewählt – 54 Prozent. Für „Monchi“, der seit drei Jahren wieder in Jarmen lebt, war das ein Moment der Zweifel. Er schreibt: „Heute, am 24. Februar 2025, da habe ich das erste Mal diesen Gedanken. Ist es noch richtig, hier zu bleiben?“
Der Punkrocker, der einst selbst ein Fall für den Verfassungsschutz war, sucht in den folgenden Wochen das Gespräch mit den Menschen. Er versucht zu verstehen, warum sie die AfD gewählt haben. Früher, so sagt er, hätte er alle über einen Kamm geschoren. Heute könne er das nicht mehr: „Umso näher ich den Menschen bin, umso schwerer kann ich sie hassen.“ Bei manchen tue es ihm weh – etwa bei einer Bekannten, von der er nie gedacht hätte, dass sie die AfD wählen würde.
Die Brandmauer als weltfremdes Konzept
„Monchi“ erklärte den Zuhörerinnen und Zuhörern in Jarmen, warum die oft erwähnte Brandmauer für ihn ein Politikkonzept ist, das auf dem Land aktuell völlig weltfremd wirkt. Er meint damit in erster Linie zwischenmenschliche Begegnungen. Er wolle mit allen im Gespräch bleiben – die Grenze sieht er jedoch bei überzeugten Nazis.
In seinem Buch geht Jan Gorkow auch auf seine eigene Vergangenheit ein. Er beschreibt den jungen „Monchi“, der auf Krawall aus war und straffällig wurde, sowie das Ereignis, das ihn zum Antifaschisten machte. Er würdigt Menschen, die ihn geprägt haben, wie den verstorbenen Pastor Lothar König aus Jena.
Ein Plädoyer fürs Bleiben
Sein Fazit lautet: „Bleiben. Ich glaube, dass ist einer der wichtigsten Punkte. Wenn man zeigt, dass man es ernst meint, dass man nicht nur leere Phrasen drischt, sondern wirklich etwas macht.“
Das beeindruckt die Zuhörerinnen und Zuhörer. „Wir brauchen mehr solcher Typen wie Monchi“, sagt eine Jarmenerin im Anschluss. Ein anderer fasst es zusammen: „Er polarisiert als Mensch, aber er gehört hierhin. Und ich habe absoluten Respekt vor dem, was er hier aufzieht.“ Gemeint ist das Festival „Wasted in Jarmen“, das Jahr für Jahr rund 5.000 Besucher in die Kleinstadt zieht. Das Festival ist ausverkauft, die Band Feine Sahne Fischfilet tritt als Headliner auf.