Neue Brücke im Kulturpark: Sprayer nutzen die Flächen
Neue Brücke im Kulturpark: Sprayer nutzen die Flächen

Die neue Brücke über den Ölmühlenbach in Neubrandenburg ist seit wenigen Tagen still eröffnet, doch schon jetzt haben Unbekannte sie als Leinwand genutzt. Ein Sprayer hat an einer Ecke losgelegt, über das Wochenende kamen weitere Graffiti an der Innenseite hinzu. Die wuchtigen Seitenwände der Konstruktion, die an ein auf dem Kopf stehendes Kanu erinnert, bieten dafür offenbar viel Fläche.

Kritik an der Optik

Schon vor der Eröffnung hatten Nutzer in sozialen Medien Gelegenheit, den Neubau zu kommentieren. Viel zu klobig sei sie geworden, der Rumpf überproportional wuchtig, hieß es etwa unter Beiträgen der Stadt Neubrandenburg. Zustimmung gab es für Aussagen wie: „Ich habe die alte Brücke geliebt. Man hätte ja etwas Ähnliches bauen können.“

Wo die benachbarte Oberbachbrücke ein filigranes Geländer hat, dominieren an der neuen Ölmühlenbrücke zwei geschlossene Flächen die Seiten. Eine Frau bemängelt: „Kleine Kinder können nicht mehr auf das Wasser gucken.“ Dafür würden die Flächen den „üblichen Verdächtigen“ viele Möglichkeiten bieten – gemeint sind Sprayer oder Menschen, die gerne Hansa-Aufkleber verteilen.

Vorschlag: Wände anmalen lassen

Nordkurier-Leser Jörn Groth schlug deshalb vor, die kompletten Seitenwände anmalen zu lassen. „Dann wird das Ganze auch nicht mehr beschmiert. Kostet einmalig Geld, ist aber immer noch besser, als ständig säubern zu lassen.“ Denn laut seiner Kenntnis gebe es einen „Kodex“ unter Künstlern.

Stadt erklärt die Gestaltung

Wie kam die Brücke zu ihren Wänden? Bei der Planung seien mehrere Varianten verglichen worden, erklärt ein Stadtsprecher auf Anfrage. Ziele waren, die vorhandene Gründung weiterzuverwenden und die Durchfahrtshöhe nicht zu reduzieren – letztlich wurde sie sogar vergrößert, was dem Trainingsbetrieb des SCN oder der Grünpflege zugutekommt.

Die Tragstruktur wurde seitlich oberhalb der Fahrbahn angeordnet. Zeitweise sei sogar eine Fachwerkkonstruktion im Gespräch gewesen, aus geometrischen und wirtschaftlichen Gründen habe man sich aber für die gewählte Variante entschieden. Die optische Veränderung habe man bewusst in Kauf genommen, die Farben orientierten sich am Vorgängerbau – sie wirkten nur kräftiger, weil die alten verblasst waren.

„Die neue seitliche Tragkonstruktion lässt die Brücke auf den ersten Blick massiver erscheinen“, sagt der Sprecher. Weil die seitlichen Bauteile keine senkrechten Öffnungen haben, wirke der blaue Baukörper geschlossener und habe eine „stärkere optische Präsenz“, obwohl sich die Dimensionen kaum unterscheiden.

Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Neubrandenburger gewöhnt haben. Oder wie eine Frau kommentierte: „Gut, das die Brücke fertig ist. Hauptsache, sie erfüllt ihren Zweck.“