Mehr als 1.300 Kinder in Mecklenburg-Vorpommern leben derzeit in Pflegefamilien. Trotzdem suchen die Jugendämter im Land weiterhin dringend Menschen, die ein Pflegekind aufnehmen möchten. Das zeigen Anfragen des NDR bei mehreren Landkreisen.
Große Nachfrage in den Landkreisen
In Vorpommern-Rügen leben aktuell rund 270 Kinder in über 200 Pflegefamilien. Die Mecklenburgische Seenplatte zählt etwa 460 Pflegekinder und mehr als 300 aktive Pflegefamilien. In Vorpommern-Greifswald können derzeit nicht alle der rund 360 Kinder, die ihre Herkunftsfamilie verlassen müssen, in einer Pflegefamilie untergebracht werden. Diese Kinder müssen dann beispielsweise in Wohngruppen oder andere betreute Einrichtungen wechseln.
Gründe für den Mangel
Warum Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern bleiben können, hat verschiedene Ursachen. Eltern können mit der Erziehung überfordert sein, auch Suchtprobleme, Vernachlässigung oder Gewalt spielen eine Rolle. „Es ist für alle sehr belastend und sehr emotional“, sagt Janina Ilg, Sozialpädagogin beim Pflegekinderdienst des Jugendamtes Vorpommern-Greifswald. Umso wichtiger sei es, die Familien eng zu begleiten.
Eine eindeutige Erklärung für den Mangel an Pflegeeltern gibt es nicht. „Ich vermute einfach, dass da eine gewisse Sorge einhergeht und die Frage: Was kommt da eigentlich auf mich zu?“, so Ilg. Viele Menschen seien beruflich stark eingespannt und finanziell ausgelastet. Auch die Wohnsituation spiele eine Rolle: Wer ein Pflegekind aufnimmt, braucht ausreichend Platz – bezahlbaren Wohnraum zu finden, sei jedoch schwieriger geworden.
Finanzielle Unterstützung und Voraussetzungen
Finanzielle Unterstützung gibt es: Je nach Alter des Kindes erhalten Pflegeeltern in Vorpommern-Greifswald derzeit zwischen 1.200 und 1.500 Euro im Monat. Der größte Teil ist für den Lebensunterhalt des Kindes gedacht – etwa für Essen, Kleidung, Wohnen und Freizeit. Rund 440 Euro entfallen auf Pflege und Erziehung. Für besondere Ausgaben sind zusätzliche Zuschüsse möglich.
Trotzdem bleibt die Entscheidung eine große. Denn viele Pflegekinder bringen belastende Erfahrungen mit. Pflegeeltern brauchen Geduld, Zeit und manchmal einen langen Atem. Trotz aller Herausforderungen könne es eine sehr bereichernde Aufgabe sein, sagt Ilg: „Das Besondere, ein Pflegekind bei sich zu haben, ist, dass man erst mal ganz viel zurückbekommt, weil Kinder, in welcher Form sie bei einem leben, einem immer etwas zurückgeben.“ Pflegeeltern hätten die Chance, den Kindern „einen positiven Weg in die Zukunft zu bahnen“.
Dafür braucht es nicht die klassische Familie mit Mutter, Vater und eigenen Kindern. Auch Alleinstehende, unverheiratete Paare oder Menschen ohne eigene Kinder können grundsätzlich ein Pflegekind aufnehmen. Die Jugendämter prüfen allerdings, ob die Voraussetzungen stimmen. Dazu gehören unter anderem ein geregeltes Einkommen und stabile wirtschaftliche Verhältnisse. Pflegepersonen müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und körperlich sowie psychisch in der Lage sein, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Denn am Ende geht es vor allem darum, einem Kind ein stabiles Umfeld zu geben, in dem es sich sicher und gut aufgehoben fühlen kann.