SCN-Kugelstoßerin Emily Scherf: WM-Hoffnung mit neuem Trainer
SCN-Kugelstoßerin Emily Scherf: WM-Hoffnung

Die Kritik war groß, als Dieter Kollark im Januar das Training von Kugelstoß-Talent Emily Scherf übernahm. Viele im Club hielten den knurrigen Erfolgscoach und die hochsensible Athletin für ein unpassendes Gespann. Sieben Monate später zeigt sich: Die Zweifler lagen falsch. „Es passt“, sagt die 19-Jährige vom SC Neubrandenburg lachend und ergänzt: „Wahrscheinlich liegt das daran, dass wir zwei Ehrgeizige sind.“

Steigerung von 15,66 auf 17,08 Meter

Unter Kollarks Anleitung verbesserte Scherf ihre Bestleistung mit der vier Kilogramm schweren Kugel von 15,66 auf 17,08 Meter. In diesem Sommer sicherte sie sich die deutschen Titel in der U20 und U23, nachdem sie im Winter bereits U20-Hallenmeisterin geworden war.

Nun steht das Duo vor dem Saisonhöhepunkt: der U20-Weltmeisterschaft in Eugene (USA). Die Qualifikation ist am Donnerstag um 10 Uhr, das Finale beginnt um 19 Uhr Ortszeit im Hayward Field.

Trainer sieht Medaillenchance

Als Fünfte der Weltrangliste reiste Scherf in die USA. Die Spitzenreiterin ist die Nigerianerin Jessica Oji mit 18,50 Metern, gefolgt von mehreren Athletinnen mit Weiten über 17 Meter. „Das Finale ist Pflicht“, sagt Kollark. Scherf selbst formuliert es so: „Ich bin zurzeit die Fünftbeste der Welt, da möchte ich auch reinkommen. Und eine neue persönliche Bestleistung wäre schön.“ Von einer Medaille spricht sie nicht offen.

Kollark hält eine Medaille für möglich, wenn seine Athletin „einfach den Kopf ausschaltet“. Er erklärt: „Emily hinterfragt sich zu sehr. Sie hat im Wettkampf zu viele Dinge im Kopf, die nicht gut sind. Sie muss einfach rausgehen und stoßen. Die Trainingsleistungen in den Wettkampf zu bringen, das gelingt ihr noch nicht immer.“

Lob vom Erfolgscoach

Der 81-Jährige, der seit der Wende mit seinen Athleten 29 Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften gewann, ist sparsam mit Lob – bei Scherf macht er eine Ausnahme: „Sie ist sehr fleißig und ehrgeizig. Emily kannst du auch mal allein trainieren lassen, die zieht ihr Programm einfach durch.“

Beide haben sich bereits auf eine weitere Zusammenarbeit verständigt. „In den Wettkämpfen war sie in dieser Saison sehr konstant, es gab quasi keinen Ausfaller. Die Technik ist aber noch nicht perfekt“, sagt Kollark. Scherf war vor drei Jahren vom Angleiten auf den Drehstoß umgestiegen. Der Trainer glaubt, sie könne es in die deutsche Spitze schaffen – und er hat Lust, sie dorthin zu führen.

Vier Athleten aus MV bei der WM

Neben Scherf vertreten Michal Fatyga vom SC Neubrandenburg (400 Meter), Marie Schnemilich aus Rostock (Siebenkampf) und Theo Hielscher vom TSV Stralsund (800 Meter) Mecklenburg-Vorpommern bei der U20-WM. Insgesamt umfasst das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes 71 junge Frauen und Männer.