Sonnen- und Mondfinsternis: Paul Gerhardts Trost in dunklen Zeiten
Sonnen- und Mondfinsternis: Paul Gerhardts Trost

Dieser August bietet mit Sonnen- und Mondfinsternis gleich zwei Himmelsereignisse innerhalb weniger Tage. Welch ein Spektakel für die interessierten Beobachter, die sich wie immer an prominenten Aussichtspunkten oder wenigstens vor dem Bildschirm versammeln! Auch wenn der Himmel sich am Mittwoch bei uns nicht gänzlich verdunkelte, tauchte der Schatten unseres Erd-Trabanten den Abend in ein auffallend rötlich-fahles Licht. Die Vögel schwiegen, das Laub färbte sich schwarz.

Dichterpfarrer schrieb von Sonne und Finsternis

„Wo bist du, Sonne, blieben?“, fragte Paul Gerhardt im Jahr 1647. Sonne und Finsternis kommen häufig im Evangelischen Gesangbuch vor, besonders beim Dichterpfarrer Gerhardt. Er konnte mehr als ein Lied davon singen. Aus seiner Stelle in Berlin vertrieben, erlebte er den frühen Tod seiner Frau und vieler seiner Kinder. Krieg und Seuchen plagten das Land. Viele Menschen teilen seine Erfahrung bis heute. Wenn Tage und ganze Lebensjahre finster bleiben, ist dies kein flüchtiges Naturschauspiel, sondern eine ernste Frage an den Sinn des Daseins.

Glaube als Kraft in der Düsternis

Paul Gerhardt fand im Glauben an Christus eine Kraft gegen die Düsternis. „Fahr hin! Ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint.“ Der Glaube ist tatsächlich die Quelle eines Lichts, von dem Sonne, Mond und Sterne nur einen faden Abglanz bilden. Auch ihr Verlöschen ist nur ein „totes Bild“, wie es im Oster-Choral aus Gerhardts Feder heißt. Denn „nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht“. Voller Zuversicht schied Paul Gerhardt 1676 aus dieser Welt. Erinnern wir uns in diesem Gedenkjahr ruhig an seine großartigen Lieder – und an seinen Glauben, der auch leuchtet, wenn sonst kein Licht mehr scheint.