DDR-Tomaten und krumme Zucchini in Koblentz gefragt
DDR-Tomaten und krumme Zucchini in Koblentz gefragt

In der Gärtnerei Koblentz östlich von Pasewalk gehen derzeit vor allem Tomaten der Sorte Campos über den Tresen. Die relativ neue Züchtung ist eine Weiterentwicklung der beliebten DDR-Sorte Harzfeuer und hat dieser inzwischen den Rang abgelaufen. Kunden schätzen aber auch Gemüse, das nicht der Norm entspricht, wie krumme Zucchini oder kleinere Kartoffeln.

Hofladen mit Stammkunden aus der Region

Rund 30 Kunden besuchen an einem Mittwoch den Hofladen in dem Dorf, knapp zehn Kilometer abseits der Bundesstraße 104 gelegen. „An manchen Tagen kommen 50 bis 100 Leute“, sagt Gundel Bartz, die die Gärtnerei Koblentz der Gemeinnützigen Werk- und Wohnstätten Pasewalk (GWW) leitet.

Viola und Klaus Mohnke aus Pasewalk kaufen dort zwei Kilogramm Tomaten und eine Gurke. „Die schmecken besser als die niederländischen aus dem Supermarkt“, sagt das Ehepaar. Die Gärtnerei hat viele Stammkunden aus der gesamten Uecker-Randow-Region, sogar aus Prenzlau und Neubrandenburg. Sie sei die einzige weit und breit, die eigene Jungpflanzen zieht und Gemüse direkt auf dem Hof anbietet.

Tomatenlieblinge der Vorpommern

Im August, zur Haupterntezeit, wollen die Kunden vor allem „Koblentzer Tomaten“. „Manche kaufen fünf Kilo, gleich für Freunde und Verwandte mit“, berichtet die Teamleiterin. Hinter dem Begriff verberge sich die Sorte Campos, die optisch und geschmacklich dem ostdeutschen Original Harzfeuer in nichts nachstehe. Die Neuzüchtung habe jedoch einen entscheidenden Vorteil: „Sie trägt mehr. Harzfeuer war zuletzt überzüchtet für den Erwerbsgartenbau. Für Hobbygärtner ist sie aber weiter geeignet.“ Für Nostalgiker hält die Gärtnerei noch zwei Reihen Harzfeuer vor.

Die Nachfrage nach roten Tomaten ist groß. „Die Leute wollen rote Tomaten, vielleicht mal ein paar gelbe dazu“, so Gundel Bartz. Experimente mit schwarzen, gestreiften, lilafarbenen oder grünen Tomaten hätten sich nicht bewährt. Auch Fleischtomaten wie Ochsenherz und Pyros sowie die Stabtomate Panovia und die Cherrytomate Dasher sind gefragt.

Herausforderungen im Anbau

Das Wetter macht der Gärtnerei in diesem Jahr zu schaffen. „Das Frühjahr war ziemlich kalt, später hatten wir Temperaturen bis fast 40 Grad, und jetzt ging es nachts schon wieder auf acht Grad herunter. Das mögen die Tomaten nicht“, erklärt Gundel Bartz. Dennoch sei der Ertrag der mehr als 1000 Tomatenpflanzen zufriedenstellend. Bei Möhren, Kohlrabi und Porree fällt die Ernte gering aus, während Zucchini, Mangold und Rote Bete gut gediehen sind.

Hauptberuflich sind in der Gärtnerei 20 Menschen mit Behinderung und vier Mitarbeiter der GWW beschäftigt. Sie pflegen sechs Gewächshäuser, vier Folientunnel, einen halben Hektar Gemüsefelder und zwei Hektar Kartoffeln. Auf Chemie wird weitgehend verzichtet: Schlupfwespen bekämpfen die Weiße Tomatenfliege, Nematoden die Trauermücken, und Hummeln übernehmen die Bestäubung.

Erntefest in Borken

Derzeit bereitet das Team das Erntefest mit weltgrößtem Wiesencafé am 30. August auf Gut Borken vor. „Wir brauchen 100 Tischdecken“, überschlägt Gundel Bartz. Die rot-karierten Tücher sollen Strohballen in Café-Tische verwandeln, außerdem wird Deko hergestellt und an einer Erntekrone getüftelt. Die Gärtnerei ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 12.30 bis 15.30 Uhr geöffnet, am Freitag von 9 bis 13 Uhr.