Die stille Gefahr: Warum Hepatitis oft zu spät erkannt wird
Stille Gefahr: Hepatitis oft zu spät erkannt

Am Hanse-Klinikum in Anklam zeigen sich regelmäßig die Folgen einer unentdeckten Hepatitis. Die Virushepatitis verläuft häufig über Jahre ohne Beschwerden und wird deshalb oft erst erkannt, wenn die Leber bereits geschädigt ist. Anlässlich des jährlichen Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli erklärt Dirk Werner, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Ameos-Klinikum Anklam, warum die Erkrankung so tückisch ist.

Rechtzeitige Diagnose ist wichtig

Die größte Herausforderung sei, dass viele Patienten erst kommen, wenn die Leber bereits dauerhaft geschädigt ist. Meistens werde nicht die Hepatitis selbst, sondern ihre Spätfolgen behandelt, wie eine Leberzirrhose oder andere Komplikationen chronischer Lebererkrankungen. „Viele Betroffene erfahren erst durch auffällige Leberwerte oder Zufallsbefunde, dass ihre Leber nicht gesund ist. Das zeigt, wie wichtig Aufklärung, Vorsorge und eine rechtzeitige Diagnose sind“, sagt der Gastroenterologe.

Die Leber – ein Organ ohne Schmerzrezeptoren

Mit mehr als 500 Aufgaben ist die Leber eines der wichtigsten Stoffwechselorgane des Menschen. Gleichzeitig besitzt das Lebergewebe keine Schmerzrezeptoren. Dadurch kann die Leber ihre Funktion oft noch lange aufrechterhalten, obwohl bereits eine Erkrankung vorliegt – ein Grund dafür, dass Hepatitis, also die Leberentzündung, häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird.

„Viele verbinden Hepatitis noch immer mit einer schwer behandelbaren Erkrankung. Dieses Bild entspricht heute vielfach nicht mehr der Realität. Die medizinischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Je früher eine Hepatitis erkannt wird, desto besser lassen sich dauerhafte Leberschäden verhindern oder begrenzen“, so Werner.

Welt-Hepatitis-Tag soll sensibilisieren

Der Welt-Hepatitis-Tag wird in Deutschland als offizieller Gesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von der Deutschen Leberhilfe ausgerichtet. Sie sensibilisiert in ihrem Programm unter anderem für die Infektionswege und den Schutz vor den unterschiedlichen Hepatitis-Formen von A bis E, informiert über Schutzimpfungen und wirbt für vorsorgliche Tests zur Früherkennung.

Alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland ab 35 Jahren können sich einmal kostenlos auf Hepatitis B und C testen lassen. Die Tests werden im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35“) in Hausarztpraxen angeboten.