Als die DDR über die Ostsee flog: Störtebeker-Tragflächenboote und ihr Ende
Störtebeker-Tragflächenboote: DDR-Zeit und Verkauf nach Griechenland

Die drei Tragflächenboote „Störtebeker I“, „Störtebeker II“ und „Störtebeker III“ der Weißen Flotte waren in den 1970er- und 1980er-Jahren die auffälligsten Fahrgastschiffe an der Ostseeküste. Sie stammten vom sowjetischen Typ Kometa-M und wurden im Winterhalbjahr 1974/75 an die DDR ausgeliefert. Die „Störtebeker I“ absolvierte am 12. Mai 1975 ihre erste planmäßige Fahrt von Stralsund nach Saßnitz.

Später kamen weitere Linien hinzu: Die Boote fuhren unter anderem auf den Routen Wismar–Warnemünde–Rostock, Rostock–Warnemünde–Saßnitz, Rostock–Warnemünde–Stralsund sowie nach Swinemünde, Stettin und Kolberg. Nach der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember 1981 fuhren die Boote weiter nach Stettin, doch die Passagiere durften dort nicht mehr an Land gehen.

Technik der Kometa-Boote

Die Schiffe waren für Fahrten bis zu 20 Seemeilen von der Küste und bis Seegang 4 zugelassen. Sie waren rund 35 Meter lang, 11 Meter breit und boten Platz für 116 Fahrgäste. Angetrieben wurden sie von zwei M-401-A-Dieselmotoren mit jeweils 1000 PS. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 32 Knoten, die Besatzung bestand aus sechs Personen.

Ein Tragflächenboot hebt seinen Rumpf durch Tragflügel unter dem Wasser teilweise aus dem Wasser, sobald es genügend Fahrt aufnimmt. Das senkt den Wasserwiderstand und ermöglicht höhere Geschwindigkeiten. Nachteile sind der technisch aufwendige Betrieb und die Anfälligkeit bei starkem Seegang.

Einsätze und Wartung

Gebaut wurden die Boote 1974 auf der Werft „Im. Sergo Ordshonikidse“ in Poti in der damaligen Grusinischen SSR. Gemeldet waren sie in Stralsund. Die Verbindungen nach Stettin erhielten besondere Aufmerksamkeit, da auf dieser Route die DDR verlassen wurde – dafür gab es im Stralsunder Hafen ein kleines Gebäude für die Aus- und Einreiseabfertigung durch den Zoll.

Die Wartung war aufwendig: Wegen der Bauweise des Unterwasserschiffs konnten die Boote nicht geslippt oder gedockt werden, sondern mussten mit Kränen aus dem Wasser gehoben werden. Das war nur in Rostock, Warnemünde oder Wismar möglich, die Arbeiten erfolgten auf dem Gelände der Warnowwerft in Warnemünde. Für Hiddensee waren die Boote ungeeignet, da das Fahrwasser mit 2,5 Metern zu flach war – der Tiefgang der Boote lag bei 3,60 Metern.

Noch 1989 setzte die Weiße Flotte die „Störtebeker I“ ab Stralsund für Hochseefahrten entlang der Westküste Hiddensees ein. 1990 kamen weitere Einsätze hinzu, etwa im Fährdienst zwischen Travemünde und Wismar sowie Fahrten rund um Fehmarn.

Verkauf nach Griechenland

1992 wurden alle drei Tragflächenboote nach Griechenland verkauft. Am 21. März 1992 passierte der deutsche Frachter „Ariane“ mit den drei an Bord festgezurrten Booten den Nord-Ostsee-Kanal – eine Sondergenehmigung war nötig, weil eines der Boote seitlich über die Bordwand hinausragte. In Griechenland erhielten die Schiffe neue Namen: Aus der „Störtebeker I“ wurde die „Flying Zeus“, aus der „Störtebeker II“ die „Flying Marianna“ und aus der „Störtebeker III“ die „Flying Nassia“. Die Reederei in Piräus wollte die Boote in der Ägäis einsetzen. Noch Mitte der 2000er-Jahre waren einzelne der ehemaligen DDR-Boote in Registern nachweisbar, später wurden sie vermutlich abgewrackt.