Störtebeker-Tragflächenboote: Verkauf nach Griechenland 1992
Störtebeker-Tragflächenboote: Verkauf nach Griechenland 1992

Die drei Tragflächenboote „Störtebeker I“, „Störtebeker II“ und „Störtebeker III“ der Weißen Flotte gehörten in den 1970er- und 1980er-Jahren zu den auffälligsten Fahrgastschiffen an der Ostseeküste. Sie stammten vom sowjetischen Typ Kometa-M und wurden im Winterhalbjahr 1974/75 an die DDR ausgeliefert. Gebaut wurden die Boote 1974 auf der Werft „Im. Sergo Ordshonikidse“ in Poti in der damaligen Grusinischen SSR. Die „Störtebeker I“ trug die Baunummer C-661, die „Störtebeker II“ die C-662 und die „Störtebeker III“ die C-663. Gemeldet waren die Schiffe in Stralsund.

Erste Fahrt und weitere Routen

Die „Störtebeker I“ absolvierte am 12. Mai 1975 ihre erste planmäßige Fahrt. Die Strecke führte von Stralsund nach Saßnitz. Später kamen weitere Linien und Ausflugsfahrten hinzu. Eingesetzt wurden die Boote unter anderem auf den Routen Wismar–Warnemünde–Rostock, Rostock–Warnemünde–Saßnitz, Rostock–Warnemünde–Stralsund sowie auf Verbindungen nach Swinemünde, Stettin und Kolberg.

Die drei Schiffe waren für Fahrten bis zu 20 Seemeilen von der Küste und bis Seegang 4 zugelassen. Sie waren rund 35 Meter lang, 11 Meter breit und boten Platz für 116 Fahrgäste. Angetrieben wurden sie von zwei M-401-A-Dieselmotoren mit jeweils 1000 PS. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 32 Knoten. Die Besatzung bestand aus sechs Personen.

Technik und Besonderheiten

Ein Tragflächenboot ist ein schnelles Wasserfahrzeug mit Tragflügeln unter dem Rumpf. Sobald es genügend Fahrt aufnimmt, heben diese Flügel den Rumpf teilweise aus dem Wasser. Unter dem Schiff sitzen Tragflächen aus Metall. Bei höherer Geschwindigkeit erzeugen sie Auftrieb. Dadurch liegt der Rumpf nicht mehr so tief im Wasser. Das senkt den Wasserwiderstand und ermöglicht höhere Geschwindigkeiten.

Vorteile sind hohe Reisegeschwindigkeit, geringerer Wasserwiderstand bei Fahrt auf Tragflächen und oft ruhigeres Fahrverhalten bei passenden Bedingungen. Nachteile sind der technisch aufwendige Betrieb, die Anfälligkeit bei starkem Seegang sowie anspruchsvolle Wartung und Reparaturen.

Einsätze und politische Zäsur

Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Verbindungen nach Stettin. Dafür gab es im Stralsunder Hafen ein kleines Gebäude für die Aus- und Einreiseabfertigung durch den Zoll, denn auf dieser Route wurde die DDR verlassen. Nach der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember 1981 fuhren die Tragflächenboote weiter nach Stettin. Passagiere durften dort jedoch nicht mehr an Land gehen.

Neben dem Linienverkehr nutzte die Weiße Flotte die Boote auch für Ausflugsfahrten auf der Ostsee und für Fahrten in den Boddengewässern. Nach Angaben aus zeitgenössischen Quellen waren die Tragflächenboote trotz höherer Fahrpreise meist gut ausgelastet.

Der Betrieb war technisch aufwendig. Wegen der Bauweise des Unterwasserschiffs konnten die Boote nicht wie herkömmliche Fahrgastschiffe geslippt oder gedockt werden. Für Reparaturen und Wartung mussten sie mit Kränen aus dem Wasser gehoben werden. Das war nur in Rostock, Warnemünde oder Wismar möglich. Arbeiten an den Tragflächenbooten wurden auf dem Gelände der Warnowwerft in Warnemünde ausgeführt.

Nicht jede Strecke war für die Schiffe geeignet. Für Verbindungen nach Hiddensee kamen sie nicht infrage. Das Hiddenseefahrwasser war mit 2,5 Metern zu flach. Der Tiefgang der Tragflächenboote als Verdrängungsfahrzeuge lag bei 3,60 Metern.

Verkauf und Ende

Noch 1989 setzte die Weiße Flotte die „Störtebeker I“ ab Stralsund für Hochseefahrten entlang der Westküste Hiddensees bis zur Höhe des Dornbusch ein. 1990 kamen weitere Einsätze hinzu. Die „Störtebeker III“ fuhr im September 1990 im Fährdienst zwischen Travemünde und Wismar. Bereits ab Juni 1990 wurden auch Kiel und Neustadt angelaufen. Von Heiligenhafen aus gab es Fahrten rund um Fehmarn.

Lange dauerte diese Phase nicht. 1992 wurden alle drei Tragflächenboote nach Griechenland verkauft. Am 21. März 1992 passierte der deutsche Frachter „Ariane“ mit den drei an Bord festgezurrten Booten den Nord-Ostsee-Kanal. Für die Passage war eine Sondergenehmigung erforderlich, weil eines der Boote seitlich über die Bordwand hinausragte.

In Griechenland erhielten die Schiffe neue Namen. Aus der „Störtebeker I“ wurde die „Flying Zeus“, aus der „Störtebeker II“ die „Flying Marianna“ und aus der „Störtebeker III“ die „Flying Nassia“. Die Reederei in Piräus wollte die Boote in der Ägäis einsetzen. Noch Mitte der 2000er-Jahre waren einzelne der ehemaligen DDR-Boote in Registern nachweisbar, später wurden sie vermutlich abgewrackt.