Der Swine-Tunnel, der seit dem 30. Juni 2023 die Inseln Usedom und Wollin verbindet, stößt an starken Reisetagen an seine Grenzen. Mehr als 22.000 Fahrzeuge passieren die Röhre an Spitzentagen, wie polnische Medien berichten. Das hat Auswirkungen auf die deutschen Kaiserbäder Ahlbeck und Heringsdorf.
Mehr als 22.000 Autos am Tag
Seit seiner Eröffnung gibt es neben Wolgast und der Zecheriner Brücke eine dritte Möglichkeit, mit dem Auto auf die Insel Usedom zu gelangen: über Polen, die Schnellstraße S3 und den kostenlosen, 1,8 Kilometer langen Swinetunnel. Gerade für Urlauber aus Berlin und Brandenburg kann diese Route attraktiv sein.
Doch der Tunnel wird stärker genutzt als erwartet. Anfang August passierten nach polnischen Medienberichten an einem Tag mehr als 22.000 Fahrzeuge die Röhre. In Swinemünde bildeten sich zeitweise lange Rückstaus. Manche Autofahrer wichen sogar wieder auf die Fähren aus – ausgerechnet auf jene Verbindung, deren Warteschlangen der Tunnel eigentlich weitgehend überflüssig machen sollte.
Das Problem liegt nicht allein im Tunnel
Bei großem Andrang können die Straßen davor und dahinter die Fahrzeugmengen nur schwer aufnehmen. Urlauber, Einwohner, Pendler und Lieferverkehr treffen dann aufeinander.
Auch auf polnischer Seite wird inzwischen darüber gestritten, warum der Verkehr nicht mehr reibungslos abfließt. Swinemündes Stadtpräsidentin Joanna Agatowska machte die jüngsten Staus öffentlich zum Thema. Der Streit dreht sich vor allem darum, ob der Tunnel selbst oder die Straßen und Kreuzungen an seinen Zufahrten das eigentliche Nadelöhr sind.
Zweite Tunnelröhre als mögliche Lösung
Joanna Agatowska sieht zwei mögliche Wege: den Bau einer zweiten Tunnelröhre oder eine neue Nord-Süd-Querung des Stettiner Haffs. Diese könnte die Gegend um Trzebież mit dem südlichen Teil der Insel Usedom verbinden und damit eine zusätzliche direkte Verbindung in Richtung des Zentrums von Świnoujście schaffen.
Auch Einwohner äußern zunehmend Unmut. Polnische Lokalmedien berichten von Beschwerden darüber, dass der starke Touristenverkehr den Alltag erschwert. Gleichzeitig lebt die Stadt erheblich vom Tourismus. Damit stellt sich in Swinemünde immer häufiger die Frage, wie die Interessen von Einwohnern und Urlaubern miteinander vereinbart werden können.
Mehr Verkehr Richtung Ahlbeck
Für die deutsche Seite ist die aktuelle Entwicklung besonders interessant. Wer den Tunnel aus Richtung Stettin passiert, erreicht zunächst Swinemünde. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis zur Grenze und nach Ahlbeck. Zusätzlicher Verkehr kann deshalb auch auf die ohnehin stark beanspruchte Strecke durch die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin gelangen.
Umgekehrt nutzen viele deutsche Urlauber die Verbindung nach Swinemünde für Tagesausflüge, zum Einkaufen oder für Fahrten zum Hafen. Der Verkehr endet längst nicht mehr an der deutsch-polnischen Grenze.
Für Urlauber aus Deutschland bleibt der Tunnel dennoch ein Vorteil. Wer aus Berlin oder dem östlichen Brandenburg kommt, kann Usedom inzwischen auch über Stettin und Swinemünde erreichen und damit die häufig belasteten Zufahrten über Wolgast oder die Zecheriner Brücke umgehen.
Usedom hat neue Zufahrt, aber auch mehr Verkehr
Die jüngsten Staus zeigen allerdings: Auch diese Alternative hat Grenzen. Wenn an den klassischen Anreisetagen Zehntausende Fahrzeuge dieselbe Strecke wählen, verlagert sich das Nadelöhr lediglich. Wer nach Ahlbeck oder Heringsdorf fährt, sollte deshalb inzwischen auch die Verkehrslage in Swinemünde prüfen, bevor er sich für die Route über Polen entscheidet.
Drei Jahre nach der Eröffnung wird damit deutlich: Usedom hat zwar eine zusätzliche Zufahrt bekommen – aber nicht automatisch weniger Verkehr. Für die deutsche und die polnische Seite stellt sich deshalb zunehmend dieselbe Frage: Wie viele Autos verträgt die Urlaubsinsel noch – und wie können Besucher dazu gebracht werden, für ihre Wege zwischen Swinemünde, Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin häufiger Bahn, Bus oder Schiff zu nutzen?