In diesem Sommer sind deutlich weniger Stechmücken unterwegs als erwartet. Grund ist die anhaltende Trockenheit, die vielerorts die Brutstätten der Insekten verschwinden lässt. Das berichten Wissenschaftler vom Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems.
Eine statistische Bestätigung gibt es dafür nicht, weil die Zahl der Stechmücken in Deutschland nicht systematisch erfasst wird. Der Biologe Helge Kampen spricht dennoch von einem deutlichen Eindruck, der sich aus Rückmeldungen von Forschern und Bürgern speist.
Fehlende Pfützen verhindern Vermehrung
Die Trockenheit sorgt dafür, dass Pfützen als ideale Brutstätten ausbleiben. Mückenlarven benötigen stehendes Wasser, um sich zu entwickeln. Wärme allein reicht nicht, wenn kein Wasser vorhanden ist. Auch große Seen wie der Bodensee verzeichnen derzeit historische Tiefststände.
Eine dramatische ökologische Entwicklung erwartet Kampen durch den Rückgang der Stechmücken nicht. Er weist jedoch darauf hin, dass alle Tiere unter der Trockenheit leiden. Mücken sind wichtige Glieder der Nahrungskette: Sie dienen Vögeln und Fledermäusen als Futter, ihre Larven werden von Amphibien gefressen.
Mückenatlas: Bürger helfen mit
Kampen ist am Mückenatlas Deutschlands beteiligt. Zwischen 2012 und 2025 analysierte ein Team des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung rund 550.000 Stechmücken. Das Prinzip: einfangen, einfrieren, einschicken.
Die Funde werden bestimmt und auf der Online-Karte vermerkt. Bis Ende Juli gingen in diesem Jahr mehr als 40.000 Einsendungen ein. Am häufigsten wurde die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) geschickt, aber auch die eingewanderte Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wird gemeldet.
Die Tigermücke ist in Baden-Württemberg bereits heimisch, inzwischen kommen vermehrt Einsendungen aus Nordrhein-Westfalen. Weltweit gibt es etwa 3.700 Stechmückenarten, in Deutschland etwa 50. Da Mücken Krankheiten übertragen können, sammelt die Forschungsgruppe Exemplare von möglichst vielen Standorten.
So wird man zum Mückenjäger
Wer helfen möchte, sollte die Mücke unversehrt fangen – etwa mit einem Glas, das über das Insekt gestülpt wird. Anschließend wird der Behälter über Nacht ins Gefrierfach gelegt. Nach dem Auftauen sollte Kondenswasser verdunsten, bevor die Mücke in einem bruchsicheren Behälter verschickt wird.
Das Einsendeformular findet sich unter www.mueckenatlas.com. Das Paket geht an: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, „Mückenatlas“, Eberswalder Straße 84m, 15374 Müncheberg.