32 Jahre alter Vermisstenfall in Vorpommern: Autowrack in der Peene birgt menschliche Überreste
Vermisstenfall nach 32 Jahren: Autowrack in Peene birgt Knochen

Ein über 30 Jahre alter Vermisstenfall in Vorpommern wird neu aufgerollt. Die menschlichen Überreste, die wohl ein und derselben Person zuzuordnen sind, wurden zum Teil dutzende Kilometer voneinander entfernt gefunden. Der neue Anlass für die Ermittlungen ist ein in der Peene versunkenes Auto.

Überreste kilometerweit verteilt

Bereits im Jahr 2004 fand ein Angler einen menschlichen Torso nahe der Gützkower Fähre. Eine Woche später, etwa elf Kilometer entfernt in Stolpe an der Peene, tauchte ein Schuh mit weiteren menschlichen Überresten auf. Polizeitaucher suchten den Fluss ab, die Behörden ermittelten, doch der Fall blieb rätselhaft.

22 Jahre später, am 19. August 2026, gelang es Tauchern, ein altes Autowrack aus der Peene zu bergen, vermutlich einen Ford Escort. Bei der Untersuchung des Wracks kamen menschliche Knochen zum Vorschein. Die Spur führt zu einem 32 Jahre alten Vermisstenfall.

Vor 32 Jahren spurlos verschwunden

Am 21. Mai 1994 verschwand ein damals 25-jähriger Mann aus Gützkow scheinbar spurlos. Wie es von den Ermittlern heißt, soll er zuletzt einen Unfall auf der Insel Rügen gehabt haben und dann Richtung Gützkow weitergefahren sein. Erst zehn Jahre später machte ein Angler aus Greifswald einen Fund: einen menschlichen Torso im Uferbereich nahe der Gützkower Fähre. Die Beckenknochen des Toten ließen auf einen jungen Mann schließen.

Etwa eine Woche später tauchte in Stolpe ein Schuh mit menschlichen Überresten auf. Beide Funde konnten damals nicht einwandfrei zugeordnet werden. Die lange Zeit im Wasser der Peene und die damals noch nicht ausgereifte DNA-Forensik ließen Ermittler und Angehörige im Ungewissen. Im Jahr 2008 wurden sogar Zweifel daran laut, ob die Funde dem Gützkower zugehörig seien.

Technik von damals scheiterte

Eine Radio-Isotopen-Analyse konnte damals lediglich bestätigen, dass beide Funde derselben Person zuzuordnen sind. Die Erstellung eines DNA-Profils oder die eindeutige Bestätigung des Geschlechts des Toten waren damals nicht möglich. In den Jahren 2004, 2005 und 2006 versuchten Mitarbeiter des Labors für forensische Molekulargenetik in der Rechtsmedizin Greifswald, eine DNA-Analyse vorzunehmen. Doch Umwelteinflüsse in der Peene, wie Kälte, Hitze und der pH-Wert, sorgten für einen starken Abbau von DNA-Spuren.

Im Jahr 2016 konnte das Labor für forensische Molekulargenetik in Greifswald trotz geringer Mengen brauchbaren DNA-Materials eine Verwandtschaftsanalyse durchführen. „Wir konnten 2016 eine Identifizierung der Knochen vornehmen“, sagt Anja Klann, die Leiterin des Labors, dem Nordkurier. „Für uns bringt solch ein Ergebnis auch ein gewisses Maß an Erleichterung mit sich. Ein Abschluss und Gewissheit ist für alle Parteien bei solch einem Fall sicherlich hilfreich“, fährt sie fort.

Flusswrack gehörte dem Vermissten

Nun wurde in dem Fahrzeug ein weiterer Schuh gefunden, der zu jenem von damals aus Stolpe passe, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg mitteilt. Die Kennnummer des Fahrzeugs stimme mit jener des Fahrzeugs überein, das zuletzt auf den Vermissten zugelassen war. Auch persönliche Gegenstände des damals 25-Jährigen wurden im Wrack gefunden. Die genaue Todesursache des Mannes konnte jedoch nicht aufgeklärt werden. „Wir haben nach wie vor keine Hinweise auf ein Fremdverschulden“, heißt es von einer Sprecherin. Eine weiterführende Untersuchung durch die Rechtsmedizin soll diesbezüglich alle Zweifel ausräumen. Priorität habe die zweifelsfreie Identifizierung der Person, heißt es weiter von der Polizei.