Der Brennstoffhandel Schmidt in Ducherow wird in vierter Generation fortgeführt. Am 1. Juli hat der 64-jährige Klaus Schmidt die Büroschlüssel offiziell an seinen Sohn Andreas übergeben und sich in den Ruhestand verabschiedet. Ganz zurückziehen will er sich aber nicht: Mit Rat und Tat möchte er dem Betrieb weiterhin zur Seite stehen. „Das sei ja klar“, sagt Klaus Schmidt – erst recht in diesen bewegten Zeiten.
Feierliche Übergabe verschoben
Eigentlich war ein feierlicher Geschäftsübergang geplant. Doch die hohe Nachfrage auch im Sommer dieses Jahres beschert den Ducherowern immer mehr Arbeit. Da muss der neue Chef auch selbst auf den Bock und Tanklaster fahren, anstatt zu feiern. An Ausruhen sei derzeit nicht zu denken.
„Ich habe viel erlebt im elterlichen Betrieb – den Winter 1978/79, die Wendezeit, in der es auch teils drüber und drunter ging und viele Unsicherheiten herrschten. Aber so wie jetzt war es nie“, sagt Klaus Schmidt und bleibt dennoch zuversichtlich – vor allem mit seinem Sohn an der Firmenspitze. „Die ganzen Zahlen hat er im Griff und er macht sich gute Gedanken, auf die ich wohl gar nicht kommen würde. Hut ab“, lobt der Vater anerkennend.
Kohle wieder stark nachgefragt
Spätestens seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine hat sich auch das Geschäftsfeld des Brennstoffhandels stark gewandelt. Hatten Klaus Schmidt und seine Ehefrau früher noch gedacht, dass sie Kohlen allenfalls noch bis zu ihrem Renteneintritt verkaufen, ist gerade dieser Brennstoff wieder stark nachgefragt. Viele private Ofenbesitzer würden vorsorgen und sich einen kleinen Vorrat anschaffen, berichtet Andreas Schmidt. Der Nachschub sei dabei noch gesichert. „Die Produktion der Briketts hängt an einem von Deutschlands größten Kohlekraftwerk. Solange das läuft, gibt es Nachschub“, sagt Andreas Schmidt.
Öl-Vorräte jetzt auffüllen
Auch beim Öl sei man mit der Schwedter Raffinerie eigentlich gut aufgestellt. Seinen Kunden empfiehlt er trotzdem, schon jetzt im Sommer die Vorräte aufzufüllen, sodass sie über den Winter kommen. Im Herbst, so schätzt er ein, könnte es aufgrund von Umstellungen knapper und somit auch teurer werden. Mit den Kunden sei man da in gutem Kontakt und spreche sich ab, erklärt der 30-Jährige. Ohnehin seien viele Kunden aufgrund der langen Firmengeschichte treue Abnehmer und haben Vertrauen, sagen die Ducherower.
Auch deshalb ist Klaus Schmidt nun stolz, das Unternehmen weitergeben zu können. Dass sein Sohn Andreas einmal den Laden übernimmt, stand dabei nicht im Vordergrund. Allerdings: „Schon als kleiner Junge war er immer dabei, wollte morgens mit dem Tankwagen mit mir mitfahren. In den Ferien haben Andreas und sein Bruder immer geholfen, auch noch in der Studienzeit“, berichtet er.
Dass sein Sohn mit einem guten BWL-Abschluss in der Tasche dann trotz vieler anderer Möglichkeiten vor vier Jahren in den heimischen Betrieb einstieg, mache ihn natürlich froh, sagt er. Somit ist Andreas Schmidt längst nicht mehr als Beifahrer gefragt, sondern hat selbst nicht nur das Büro, sondern auch das Steuer des großen Tankwagens übernommen.