Biberlöcher im Deich: Pudagla bangt vor Überflutung
Biberlöcher im Deich: Pudagla bangt

In Pudagla auf Usedom haben die Bautätigkeiten eines Bibers im Juli für zwei Feuerwehreinsätze gesorgt. An zwei Stellen drohte ein Deichbruch am Achterwasser. Die kleine Deichanlage im Hinterland ist für den Hochwasserschutz genauso wichtig wie die großen Schutzsysteme der Außenküsten.

Gefahr für Gehöfte und Ernten

Bürgermeister Hartmut Poeck aus Pudagla (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat eigentlich kein Problem mit den Bibern, die das sumpfige Gebiet am Achterwasser unterhalb des Dorfes zahlreich bevölkern. „Das ist ein herrliches Gebiet für die Tiere, sie haben da viel Platz“, sagt der Insel Usedomer. Doch die Schäden am Deich sind gefährlich für den Ort: „Wir haben einige Gehöfte, die bei Überflutung betroffen wären“, so Poeck. Außerdem wäre das Grünfutter unbrauchbar, wenn die Wiesen hinter dem Deich vollliefen – die Ernte wäre futsch.

Helferkette funktioniert

Die Helferkette in Pudagla hat gut funktioniert. Erste Hilfe für den beschädigten Deich habe die Gemeinde selbst zu leisten, erläutert Larissa Schulze vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Vorpommern (StALU). Es brauche eine schnelle Einsatztruppe: „Meistens machen das die Feuerwehren.“ So auch hier. Nach der Entdeckung des ersten großen Loches waren die Freiwilligen bis in die Nacht mit dem notdürftigen Verstopfen beschäftigt, sagt Hartmut Poeck, der ebenfalls Wehrführer des Ortes ist. Danach kam das Amt ins Spiel: „Wir haben dann bei der fachgerechten Reparatur geholfen und die Funktionsfähigkeit des Deiches wieder hergestellt“, so Larissa Schulze, die beim StALU für die Bestandsanlagen des Hochwasser- und Küstenschutzes verantwortlich ist – also für die alten Deiche.

Deiche aus DDR-Zeiten halten noch

Der Deich an der Achterwasserküste von Pudagla ist einer der vielen, die noch aus der DDR stammen oder noch älter sind. „Aber noch halten sie die Wasserstände“, sagt StALU-Amtsleiter Matthias Wolters aus Stralsund. Zwei Wochen später steht auch er in Pudagla, vor einem besorgten Bürgermeister und dem zweiten Biberloch. Ein Bagger wartet auf den Startschuss, kontrolliert wird noch einmal, ob der Biber die Höhle auch verlassen hat – dann wird auch der zweite Schaden fachgerecht repariert. Matthias Wolters bedankt sich beim Bürgermeister: „Es ist gut, dass die Pudaglaer Feuerwehr so beherzt reagiert hat!“ Und auch Hartmut Poeck ist mit der Zusammenarbeit mit dem Amt zufrieden: „Solange Hilfe schnell kommt, ist es ja gut“, sagt er.

Sorge um Früherkennung

Doch die Sorge bleibt. Ob es eine Früherkennung gäbe, fragt der Pudaglaer. Wolters verneint. Wie alle Deiche werde dieser nach jeder Sturmflutsaison aus der Luft mit einem Laserscanning geprüft. Allerdings sei es nicht möglich, jede schnelle Veränderung zu erfassen. Darum sei das Zusammenspiel mit Beobachtern vor Ort so wichtig.

Küstenschutz auch fürs Hinterland

Matthias Wolters betont die wichtige Funktion der Hochwasserschutzanlagen, eben auch der kleinen im Hinterland der Außenküsten: „Das Wasser an der Binnenküste kommt und steigt schleichend, aber es sorgt genauso für Überschwemmungsgefahr wie das an den Außendeichen.“ Die Außendeiche an den Küsten sind komplexere Schutzsysteme, zu denen auch noch die Buhnen, der Strand, die Dünen und Küstenwälder gehören. Neben diesen Hochwasserschutzanlagen müssen außerdem auch die Küstenschutzanlagen instandgehalten werden, die die Küsten vor dem Abtragen des Sandes schützen.

20 Millionen Euro stellt der Bund dem Land Mecklenburg-Vorpommern jährlich für den Erhalt und Ausbau von Hochwasser- und Küstenschutzanlagen zur Verfügung. Eine auskömmliche Größenordnung, wie Wolters einschätzt. Zahlreiche komplexe Anlagen sind so in den vergangenen Jahren entstanden: Wellenbrecher und Deiche, Aufspülungen, Buhnen, Sperrwerke. Zwei der größten Projekte: 2009 bis 2016 in Greifswald/Wieck, Kosten: 39 Millionen Euro. Und in Heiligendamm-Börgerende wurden zwischen 1993 und 2006 über 17 Millionen Euro verbaut.

Und die Herausforderungen wachsen weiter, sagt Amtsleiter Matthias Wolters. Durch engere Bebauung – immer mehr Menschen wollen an den Küsten wohnen. Engere Besiedlung fordert mehr Hochwasserschutz. Und durch den steigenden Meeresspiegel: „Da müssen wir unsere Küstenschutzanlagen einfach anders dimensionieren für die Zukunft.“