500.000 Euro: Neubrandenburg baut Internetauftritt bis 2029 neu
Neubrandenburg: 500.000 Euro für neuen Internetauftritt

Die Stadt Neubrandenburg baut ihren Internetauftritt neu. Dafür sind 500.000 Euro eingeplant, die ausschließlich für externe Dienstleister vorgesehen sind. Zusätzlich hat die Verwaltung im August eine neue Stelle im Rathaus besetzt: die eines Webmanagers. Diese Position ist nach Entgeltgruppe 11 bewertet und kostet je nach Erfahrungsstufe zwischen 65.000 und 95.000 Euro im Jahr, inklusive Arbeitgeberanteil.

Eine Stelle fürs Projekt und darüber hinaus

Der Webmanager übernimmt auch andere Aufgaben, sodass sich die Stelle nicht vollständig dem Projekt zuordnen lässt. Genauere Zahlen nennt die Stadt zum Schutz des Beschäftigten nicht.

Unter Onlineservice listet die Stadt heute 14 Angebote. Seit Anfang 2025 können Neubrandenburger ihren Wohnsitz ohne Behördengang ummelden, den Hund für die Steuer anmelden und Wohngeld beantragen. An diesen Diensten ändert der Umbau vorerst nichts, er soll sie zusammenführen, damit niemand mehrere Seiten durchsuchen muss. Was künftig dazukommt, steht jedoch noch nicht fest. Zuerst läuft die Bestandsaufnahme, dann sollen die Nutzer befragt werden, danach legt die Stadt fest, was die Seite können muss.

Kostenfrage bleibt offen

Auch bei den Kosten steht im Rathaus vorerst ein großes Fragezeichen über dem Thema. Die Einzelheiten seien noch nicht festgelegt und ein Dienstleister noch nicht beauftragt, teilte die Verwaltung mit. Laufende Kosten stehen im Haushaltsplan deshalb bislang nicht. Ab 2029 soll das Budget beides tragen, Entwicklung und Betrieb.

Die Stadtvertretung hat über das Vorhaben als Ganzes nie abgestimmt. Die Mittel stehen im Haushalt, die Verwaltung stützt sich auf das Stadtmarketingkonzept von 2022. Ein Sperrvermerk hielt 100.000 Euro für den Umbau der Internetseite allerdings zunächst zurück. Erst im April hob die Stadtvertretung ihn auf.

Die Redaktion hatte zweimal nach der Grundlage des Projekts gefragt. Zunächst verwies die Stadt nur auf ältere Unterlagen. Die Abstimmung vom April fehlte. Erst auf Nachfrage erklärte die Verwaltung, sie habe die Frage auf den Anfang des Vorhabens bezogen. Bei den 100.000 Euro sei es nur um das Geld für ein Jahr gegangen, nicht um einen Beschluss über die neue Seite insgesamt.

Politik wünscht sich Internet ohne Barrieren

Auf den gesperrten Betrag hatte die Fraktion BSW/BfN die Redaktion hingewiesen. Fraktionschef Jan Kuhnert hält einen eigenen Beschluss nicht für zwingend, solange die Stadtvertretung und ihre Ausschüsse eingebunden bleiben. Die Summe verteile sich über vier Jahre und 15 Webadressen, eine barrierefreie Plattform sei keine „freiwillige Luxusausgabe“, schreibt Kuhnert. Er erwartet offengelegte Kosten und einen messbaren Nutzen.

Die größte Fraktion, CDUplus mit elf Sitzen, rechnet noch ein zweites Vorhaben in die 500.000 Euro ein. Das Geld deckt nach Angaben ihres Vorsitzenden Björn Bromberger den Umbau und eine Mediendatenbank ab, beides hänge technisch und organisatorisch zusammen. Ein gestalterisches Wunschprojekt sei der Umbau nicht. Die über Jahre gewachsenen Auftritte ließen sich rechtlich, organisatorisch und wirtschaftlich nicht mehr tragen.

Sicherheit ist Brombergers zweites Argument. Angriffe auf die Computernetze der Verwaltungen nähmen zu, die alten Seiten seien besonders angreifbar. Fertige Lösungen anderer Städte kämen nicht in Frage. Grund sei das Onlinezugangsgesetz, das Programme mit offenem Quellcode vorschreibt. Positiv bewertet Bromberger, dass die Stadt die Verwaltungsrechte behält und sich den Quellcode vertraglich sichert. Damit bleibe sie von einem einzelnen Anbieter unabhängig.

Rathaus soll über Kosten und Fortschritt berichten

Die Fraktion SPD/Grüne sieht keinen Grund für eine zusätzliche politische Hürde. Wichtig sei Transparenz, sagt der Fraktionsvorsitzende Michael Stieber. Die Stadtvertretung solle regelmäßig über Kosten und Fortschritt informiert werden, nicht nur einmal bei der Haushaltsplanung. Ein moderner Auftritt gehöre zur Grundversorgung einer Stadt, der Aufwand müsse aber zum Nutzen passen.

Für den langen Atem, den der Umbau braucht, haben die drei Fraktionen offenbar Verständnis. Übers Knie brechen solle die Stadt das Vorhaben nicht, heißt es bei SPD/Grüne, sichtbare Verbesserungen sollten aber nicht erst am Ende kommen. Bromberger nennt Zwischenschritte im Jahresrhythmus vertretbar, solange sie den Nutzern tatsächlich etwas bringen. Lieber wäre ihm, die Neubrandenburger profitierten früher.

Wie die Seite am Ende aussieht, lässt sich heute noch nicht absehen. Vier Vorbilder hat die Stadt aber schon genannt. Berlin und Schwerin überzeugen sie mit der Suche, über die dort alles zu finden ist. Bielefeld steht positiv für die Verbindung zur Stadtmarke, Rostock für die Technik im Hintergrund.