Helge Gerhardt aus Blumenhagen bei Jatznick fertigt Messer, Dolche und Schwerter – darunter auch ein Schwert für die Störtebeker-Festspiele. Der Schmied arbeitet seit DDR-Zeiten mit dem Handwerk und bietet seit einigen Jahren Kurse an, in denen Teilnehmer ihr eigenes Damast-Messer schmieden können.
Vom Landmaschinenschlosser zum Schmied
Gerhardt erlernte zu DDR-Zeiten den Beruf des Landmaschinenschlossers. In seiner Ausbildung in Malchin gab es einen Schmiedemeister, der über 70 Jahre alt war. „Der war schon weit über 70 Jahre alt, aber ein super Schmied“, erinnert sich Gerhardt. In einem achtwöchigen Lehrgang lernte er von ihm. Neben Arbeiten für Landmaschinen standen auch Kunstschmiedearbeiten auf dem Programm. Nachmittags nach der Schule arbeiteten sie gemeinsam daran.
1984 baute Gerhardt mit seinem Vater die erste eigene Schmiede auf. Für die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) richteten sie Pflugscharen, Harken und Eggenzinken her. Nach der Wende war er von 1990 bis 1994 Bürgermeister in Blumenhagen. Danach widmete er sich wieder der Schmiede und machte sich 1994 als Schmied und Metallbauer selbstständig. 1999 zog er in die Schmiede bei Jatznick um, die er bis heute nutzt.
Die „Bibel“ des Schmieds
2001 erhielt Gerhardt ein Buch über Hieb- und Stichwaffen Europas, das er seine persönliche „Bibel“ nennt. Darin sind Entstehungsgeschichten der Waffen und Anleitungen mit Maßen für Schmiede abgebildet. Bei Schmiedetreffen in Tschechien, der Niederlande, Luxemburg und Belgien tauschte er sich mit Gleichgesinnten aus. „Wir haben viel voneinander gelernt, Wissen ausgetauscht“, sagt er.
Seit 2011 beschäftigt er sich intensiv mit dem Damast-Schmieden. Damaszener-Klingen zeichnen sich durch ihre wellenförmige Musterung und die Kombination gegensätzlicher Stahleigenschaften aus. Die verschiedenen Stahl-Lagen werden immer wieder gefaltet und bearbeitet. „Das Schwert für die Störtebeker-Festspiele besteht zum Beispiel aus 56 Schichten pro Seite“, erklärt Gerhardt.
Kurse und Märkte
Seit einigen Jahren bietet Gerhardt seine Meisterstücke auf Mittelaltermärkten in Burg Stargard und Torgelow an. In dreitägigen Kursen bringt er Interessierten bei, ihre eigenen Damast-Messer zu schmieden. Der 64-Jährige steht noch immer an den Flammen seiner Schmiede, denn: „An das Aufhören denke ich so schnell noch nicht“, sagt er.