Wahlkreis 22: Sechs Kandidaten für den Landtag MV im Porträt
Wahlkreis 22: Sechs Kandidaten für den Landtag MV

Zur Landtagswahl 2026 treten im Wahlkreis 22 (Friedland, Neverin, Penzliner Land, Stargarder Land, Woldegk) sechs Direktkandidaten an. Der Nordkurier hat sie vorgestellt und um Antworten auf drei Fragen gebeten: zu den größten Herausforderungen im Land und im Wahlkreis, zur Gegenfinanzierung von Vorhaben und Einsparpotenzialen sowie zu einem möglichen Kaffeeplausch mit einem Gegenkandidaten.

Die Kandidaten und ihre Antworten

Thomas Herrholz (SPD), Schwichtenberg, Elektroingenieur, 49 Jahre: Die größte Herausforderung sieht er in der Finanzierung kommunaler Investitionen. Zwar würden mit Fördermitteln immer wieder Feuerwehrhäuser und Löschfahrzeuge beschafft, viele Kommunen im ländlichen Raum hätten jedoch ihre finanzielle Unabhängigkeit verloren, trotz jahrzehntelangem Sparkurs. Die Bürgerinnen und Bürger merkten das gerade bei freiwilligen Leistungen. Es brauche wieder neue Straßen, Radwege und Bürgerhäuser – man müsse vor Ort zeigen, dass Steuergelder klug eingesetzt werden.

Einsparpotenziale sieht Herrholz im Bürokratieabbau und in verstärkter Digitalisierung. Als Bürgermeister erlebe er täglich Probleme mit Zuständigkeiten, Bearbeitungszeiten oder fehlender Abstimmung zwischen Fachbereichen. Weiteres Potenzial sieht er bei Vergabe und Beschaffungen, indem Bedarfe gebündelt und kostenoptimiert eingekauft werden. Mit seinen demokratischen Gegenkandidaten würde er sich jederzeit auf einen Kaffee treffen, bei AfD-Kandidaten sehe er keine Gemeinsamkeiten und keinen Gesprächsbedarf.

Wirtschaftswachstum und soziale Infrastruktur

Tilo Lorenz (CDU), Neubrandenburg, Bürgermeister in Burg Stargard, 45 Jahre: Die größte Herausforderung sei es, neues Wirtschaftswachstum zu schaffen – das Fundament des Wohlstands, der im Osten noch nicht überall ankomme. Dafür müssten die Rahmenbedingungen stimmen: exzellente Bildung, Ausbau der Infrastruktur und spürbarer Bürokratieabbau. Zukunfts- und Infrastrukturprojekte könnten sich langfristig durch das entstehende Wirtschaftswachstum finanzieren. Einsparpotenziale sieht Lorenz in einer tiefgreifenden Strukturreform: Der demografische Wandel und die Pensionierungswelle in den Behörden sollten als Chance genutzt werden, Verwaltungen durch Digitalisierung und Abbau von Vorschriften schlanker und effizienter zu gestalten, ohne Stellen kündigen zu müssen. Für einen Kaffeeplausch sei er mit jedem Mitbewerber offen, solange sachlich und vernünftig geredet werden könne.

Amina Kanew (Die Linke), Neubrandenburg, Alltagsbegleiterin und Antidiskriminierungsberaterin, 28 Jahre: Eine der größten Herausforderungen sei die Sicherung der sozialen Infrastruktur. Der Wegfall von EU-Fördermitteln werde MV und den Wahlkreis vor erhebliche Probleme stellen, besonders die Schulsozialarbeit brauche eine verlässliche Finanzierung. Der demografische Wandel stelle die Aufgabe, eine flächendeckende und wohnortnahe Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern. Für Investitionen brauche es eine gerechtere Verteilung der finanziellen Lasten: Eine Vermögensteuer könnte nach aktuellen Berechnungen jährlich rund 1,7 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen in MV ermöglichen. Auch sollten Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Am ehesten würde sie sich mit Herrn Flettner auf ein Getränk treffen, da seine politischen Vorstellungen stärker zur früheren Ausrichtung seiner Partei passten.

Mobilität, Energie und fehlende Antworten

Ottopeter Flettner (Bündnis90/Die Grünen), Woldegk, Rentner, 73 Jahre: Schwerpunkte sind die Mobilität im Flächenland, vorrangig die Verfügbarkeit von ÖPNV über die üblichen Buslinien hinaus und kostenfreie Nutzung bis 25 Jahre. Im Wahlkreis gebe es viele Orte ohne Bahnanschluss, oft gehe nach 18 Uhr nichts mehr. Nötig seien kluge Forschungsprojekte über künftige Möglichkeiten, den ÖPNV individueller zu gestalten – etwa durch KI-gesteuerte autonome Fahrzeuge. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Nutzung regenerierbarer Energiequellen wie Wind, Sonne, Biogas und Erdwärme. Der ÖPNV sei vorrangig eine öffentliche Aufgabe und könne nur zu einem geringen Anteil durch Nutzer finanziert werden. Jede sinnvolle Investition in die Erweiterung des ÖPNV hebe die Lebensqualität und sei wichtig für Teilhabe. Mit jeder Mitbewerberin und jedem Mitbewerber treffe er sich gerne, dessen Partei sich der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung verpflichtet fühle – die AfD gehöre nicht dazu.

Marion Fritzsche (BSW), Woldegk, Steuerfachangestellte, 59 Jahre, teilte auf die Nordkurier-Anfrage mit: „Ich möchte von ihrem Angebot keinen Gebrauch machen. Im Wahlkampf konzentriere ich mich auf das Verteilen von Flyern, meine persönliche Anwesenheit an Infoständen und Veranstaltungen, also den persönlichen Kontakt zum Wähler.“ Jan Michael Martin (AfD), Salow, Zimmerermeister, Jahrgang 1969, hat nicht geantwortet.