Zuckerfabrik Demmin: Buch präsentiert, DDR-Zeit fehlt
Zuckerfabrik Demmin: Buch präsentiert, DDR-Zeit fehlt (15.08.2026)

In der Demminer Hanse-Bibliothek präsentierte Autor David Krüger sein Buch „Zucker aus Vorpommern - Geschichte der Demminer Zuckerfabrik“. Vierzig Besucher verfolgten die Lesung gespannt. Krüger hatte das Archiv der ehemaligen Zuckerfabrik ausgewertet und daraus Texte, technische Beschreibungen und Fotos zusammengetragen.

Ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte

„Ich habe ein kleines Buch mitgebracht, es umfasst 372 Seiten und etliche schwarz-weiß Fotos“, erklärte David Krüger. „Nach der Stilllegung der Fabrik 1991 wurde das Archiv sichergestellt, so dass wir ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte aufarbeiten konnten.“ Für ihre Unterstützung dankte er Dr. Kathrin Werner und Dr. Axel Wendelberger.

Viele Besucher hatten selbst in der Fabrik gearbeitet oder kannten deren Geschichte durch Freunde und Verwandte, die in den Kampagnen tätig waren. Ihr Interesse galt vor allem der Entwicklung und Arbeitsweise zu DDR-Zeiten. Doch gerade diese Epoche blieb unberücksichtigt, weil die entsprechenden Archivunterlagen fehlen.

Archiv endet 1964

„Vom heutigen Anklamer Eigentümer wurde uns nur das vollständige Archiv das bis 1964, als Demmin ein Bestandteil des damaligen VEB Zuckerüben Fritz Reuter Anklam wurde, überreicht“, sagte Krüger. Trotzdem gelang es ihm, die Zuhörer mitzunehmen.

Anschaulich schilderte der Autor die Anfangszeit, als Demminer Kaufleute die Aktiengesellschaft gründeten und sie zu einer rentablen Produktionsstätte machten. Nach der Inbetriebnahme im Oktober 1884 spielten der Schiffsanleger am Gelände, der Baufortschritt bei den Produktionsräumen und Nebengebäuden wie der Direktorenvilla, der Eisenbahnanschluss, eine Verkaufsboutique und die Plumpsklos eine wichtige Rolle.

Vom Großbrand bis zur Stilllegung

Im ländlich geprägten Raum entwickelte sich die Fabrik zu einer Industrieoase. Der Großbrand im Januar 1911 verursachte erheblichen Schaden, doch der Wiederaufbau erfolgte in Rekordzeit. Ein Fischsterben im Herbst 1913, das durch in die Peene geleitetes Abwasser ausgelöst wurde, wurde ernst genommen und gemeinsam mit den Fischereien bekämpft.

Tragisch ist das Kapitel über den Zweiten Weltkrieg, als Kriegsgefangene die Zuckerproduktion aufrechterhalten mussten. Das Gelände blieb weitgehend unversehrt und wurde nach Kriegsende unter treuhänderische Verwaltung gestellt – das Ende der Aktiengesellschaft.

Im März 1947 wurde die Fabrik ein landeseigener Betrieb, nach der Gründung der DDR ein Volkseigener Betrieb (VEB). 1964 erfolgte die Übernahme in den Großbetrieb VEB Fritz Reuter Anklam. Im Herbst und Winter 1990/91 lief die letzte Kampagne, am 31. Mai 1991 wurde die traditionsreiche und stets rentable Produktionsstätte stillgelegt.

Über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) wurden die Maschinen demontiert und die Gebäude abgerissen. Dank David Krüger und der Mitglieder des Heimatvereins bleibt die Erinnerung an Zeiten erhalten, in denen Fleiß, Arbeitswille und persönlicher Einsatz gefragt waren. Das Buch ist demnächst beim Heimatverein erhältlich.