Eggesin: Motoren für den Weltmarkt – Auftragsbücher voll
Eggesin: Motoren für den Weltmarkt

Die Hanning Elektro-Werke GmbH & Co. KG in Eggesin können sich über volle Auftragsbücher freuen, obwohl Energie- und Wettbewerbskosten hoch sind. Der Standort im Landkreis Vorpommern-Greifswald produziert jährlich rund 350.000 fertige Erzeugnisse wie Elektromotoren, Entleerungspumpen und Frequenzumrichter. Diese gehen in die USA, nach Europa, Asien und Australien, wie Werkleiter Christian Fichtner erklärt.

Vom Hühnerstall bis zur Medizin: Motoren nach Maß

Die Motoren finden vielfältige Anwendung: in Lüftungsanlagen von Hühner- und Schweineställen, in Zentrifugen für Medizin- und Labortechnik, für Poolanlagen und sogar in Zahnarztstühlen. Hauptsächlich werden sie jedoch in der Industrie eingesetzt. Die Produkte sind nicht im Katalog bestellbar, sondern werden gemeinsam mit Kunden individuell entwickelt und gebaut, berichtet Geschäftsführer Nader Halmuschi.

Das Werk in Eggesin betreibt ein geschlossenes System: Ein Großteil der Bauteile und Betriebsmittel wird selbst hergestellt. In der eigenen Gießerei entstehen Teile im Aluminiumdruckguss, die in der mechanischen Fertigung weiterbearbeitet werden. Auch Leiterplatten für die Motorsteuerung werden selbst gefertigt – überwiegend durch SMD-Bestückungsautomaten, die bis zu 60.000 Elektronikbauteile pro Stunde verarbeiten. Größere Bauteile werden von Hand gelötet.

Standort seit 1992

Die Geschichte des Standorts reicht bis in die 1970er-Jahre zurück, als ein Elektromotorenwerk (ELMO) in Baracken an der Randow-Brücke produzierte. Nach der Schließung 1990 eröffneten die Hanning Elektro-Werke aus Oerlinghausen 1992 eine Niederlassung in Eggesin. Anfangs waren hier rund 30 Mitarbeiter beschäftigt, heute sind es 240. Die Produktion wurde in den vergangenen 34 Jahren kontinuierlich erweitert.

Bei einem Firmenbesuch von Landrat Michael Sack (CDU) betonte Geschäftsführer Halmuschi: „Wir sind froh, den Standort Eggesin zu haben.“ Die Konkurrenz aus Fernost und hohe Energiekosten seien Herausforderungen, dennoch sei die Geschäftsführung zufrieden: „Die Auftragsbücher sind voll.“ Die Mitarbeiter würden fair und pünktlich bezahlt, jedoch sei der Krankenstand eine Herausforderung.

Produktion in fünf Hallen

In den Werkhallen sind Aluminiumbarren gestapelt, die in einem 800 Grad heißen Kipptiegelofen geschmolzen werden – monatlich 55 Tonnen. Druckgussmaschinen formen das flüssige Metall, danach folgen mechanische Bearbeitung, Bestückung der Platinen und Motorenmontage. Insgesamt gibt es fünf Produktions- und drei Lagerhallen, darunter eine für Pumpen- und Wellenfertigung.

Die Beschäftigten kommen aus einem Umkreis von 80 Kilometern, auch polnische Mitarbeiter sind dabei. Das Werk arbeitet mit Zeitarbeitsfirmen zusammen und bildet aktuell fünf Lehrlinge aus. Im August beginnt erstmals ein Azubi eine Ausbildung zum Mechatroniker. Das Unternehmen wurde 1947 in Oerlinghausen gegründet und beschäftigt heute 1.500 Menschen an vier Standorten, darunter in Rumänien und Indien. In Indien werden ausschließlich Pumpen für Wasch- und Spülmaschinen hergestellt.