Reifenstecher legt Pflegedienst lahm: 13 Autos beschädigt
Reifenstecher legt Pflegedienst lahm

Unbekannte haben in der Nacht zum Montag, 14. September, die Reifen von 13 Fahrzeugen des DRK-Pflegedienstes in Parchim zerstochen. Die Fahrzeuge standen auf einem öffentlichen Parkplatz am Juri-Gagarin-Ring. Durch den schnellen Einsatz der Mitarbeiter konnten alle 130 Klienten versorgt werden. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Mutwillige Zerstörung am Dienstbeginn

Martina Karsten, Bereichsleiterin für ambulante und soziale Dienste beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Parchim, ist fassungslos. Zu Dienstbeginn am Montagmorgen wollten ihre Kollegen ihre Fahrtaschen greifen und zu ihren Touren starten. „Dann stellte die erste Kollegin fest, dass irgendetwas nicht stimmt – und entdeckte einen kaputten Autoreifen. Als sich wenige Minuten später die zweite Kollegin mit demselben Schaden meldete, haben wir umgehend alle Fahrzeuge kontrolliert.“

Schnell wurde klar: Hier wurden mutwillig die Reifen von 13 Fahrzeugen zerstochen. „Und fast immer der Reifen hinten rechts“, führt die Bereichsleiterin aus. Für den Pflegedienst aus der Parchimer Weststadt eine echte Katastrophe. „Denn es trifft in erster Linie unsere Klienten“, macht Karsten klar.

Mitarbeiter nutzen Privatfahrzeuge

Besonders beeindruckt ist die Parchimerin von ihren Kollegen, die „in dieser Situation nicht lange überlegen mussten und von sich angeboten haben, die Touren mit ihren Privatfahrzeugen oder im Nahbereich sogar zu Fuß zu bestreiten. Das ist keine Selbstverständlichkeit und wir sind dem gesamten Team sehr dankbar.“ Nur so konnten alle 130 Klienten, die das DRK in Parchim und Umgebung betreut, versorgt werden. Diese reagierten, so Martina Karsten, alle sehr verständnisvoll, „sind aber genauso erschüttert wie wir“.

Inzwischen sind alle 13 Fahrzeuge wieder einsatzbereit und die Mitarbeiter sind wieder damit unterwegs. „Wir sind dem Autohaus Ahnefeld sehr dankbar. Innerhalb kürzester Zeit haben sie die Fahrzeuge mit neuen Reifen ausgestattet und dafür gesorgt, dass die Kollegen wieder mit Dienstfahrzeugen mobil sein können.“

Nur Pflegedienst-Fahrzeuge betroffen

Was sowohl dem Pflegedienst als auch der Polizei verwundert, ist die Tatsache, dass ausschließlich die Reifen von Pflegedienst-Fahrzeugen beschädigt wurden. Denn die Autos stehen auf einem öffentlichen Parkplatz am Juri-Gagarin-Ring zwischen zahlreichen Privatfahrzeugen. „Und diese wurden nicht beschädigt“, verdeutlicht Martina Karsten. Dies bestätigt auch Felix Zgonine, Pressesprecher der Polizei im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Die Polizei in Parchim sicherte vor Ort Spuren und hat die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen. Der Tatzeitraum liegt zwischen Sonntag, 13. September, 19 Uhr und Montag, 14. September, 6.30 Uhr. Der Schaden liege im vierstelligen Bereich.

Polizei sucht Zeugen

Nun bittet die Polizei um Mithilfe aus der Bevölkerung. Wer hat zum Tatzeitpunkt Beobachtungen rund um den Parkplatz am Juri-Gagarin-Ring 2 gemacht und kann möglicherweise Hinweise auf den oder die Täter geben? Hinweise zur Tat nimmt die Polizei in Parchim unter der Rufnummer 03871 600-0 entgegen.

„In der Weststadt ist es in letzter Zeit sehr unruhig“, stellt Karsten fest. „Erst das Feuer in den beiden Wohnblocks vor zwei Wochen, nun die zerstochenen Reifen – was passiert hier? Und was sind das für Menschen, die so etwas tun?“ Entsetzt ist sie vor allem, weil „letztlich die Klienten die Geschädigten sind: Wenn wir nicht pünktlich kommen, verschiebt sich teilweise der gesamte Tagesverlauf der Klienten. Da könne ein Arzttermin oder Physiotherapie folgen, zu dem die Menschen zu spät kommen oder ähnliches“, macht Martina Karsten deutlich. „Wir haben den Auftrag, die Menschen zu versorgen.“

Auch andere Pflegedienste im Umfeld zeigen sich nach der Tat erschüttert und stehen voll hinter ihren Branchenkollegen. „Für die Kollegen ist das eine absolute Katastrophe“, sind sie sich einig und betonen: „Letztlich trifft es zwar den Pflegedienst, die Leidtragenden sind aber in erster Linie die Klienten, die versorgt werden müssen.“