Im Mecklenburgischen Orgelmuseum in Malchow ist noch bis Ende September eine Sonderausstellung zur kleinsten Form der Orgel zu sehen. Im Mittelpunkt steht ein rund 300 Jahre altes Positiv aus Prag.
Ausstellung in der Klosterkirche
Die Sonderausstellung ist direkt in der Klosterkirche aufgebaut. Neben Instrumenten aus der eigenen Sammlung zeigt sie eine Leihgabe aus Prag, wie Friedrich Drese, Leiter des Orgelmuseums, berichtet. Die Ausstellung präsentiert außerdem Bilder von Orgeln aus der Umgebung und informiert über die Geschichte der Positive.
Während Orgeln im Laufe der Zeit immer größer und an die Klangräume der Kirchen angepasst wurden, waren Positive für kleinere Räume gedacht. Sie kamen beim Musizieren im Ensemble, im Hausgebrauch und im 18. sowie 19. Jahrhundert auch in Schulen zum Einsatz.
Spielweise ohne Motor
Die Prager Leihgabe zeigt eine besondere Funktionsweise: Sie besitzt keinen Motor, der für den nötigen Wind sorgt. Wer das Positiv spielen möchte, braucht deshalb eine zweite Person: Während einer an den Tasten steht, muss der andere an der Seite des Instruments mit Lederriemen den Wind erzeugen.
Das Gebäude des Orgelmuseums war rund fünf Jahre geschlossen. Die Dach- und Innensanierung wurde bis zum Frühjahr 2026 abgeschlossen. Teilweise waren die Mitarbeiter bereits früher in ihre Büros zurückgekehrt.
Sieben Organisten in der Hauptsaison
Während der Hauptsaison kommen insgesamt sieben Organisten nach Malchow. Sie bleiben jeweils 14 Tage und gestalten die musikalischen Veranstaltungen in der Klosterkirche. Die Musiker kommen aus verschiedenen Regionen Deutschlands und aus dem Ausland, in diesem Jahr unter anderem aus der Schweiz, Tschechien und Großbritannien.
Die Aufenthalte seien begehrt, so Drese. Für die kommenden zwei Jahre seien die Plätze bereits vergeben. Jeden Donnerstag um 12 Uhr heißt es seit 15 Jahren „Orgel live“. Rund 20 Minuten spielen die Organisten an fünf verschiedenen Orgeln in der Klosterkirche. Welche Stücke erklingen, entscheiden sie selbst, sie sollten zum Instrument passen.
Das kurze Format komme bei den Besuchern gut an, berichtet Drese. „Gerade für Familien mit Kindern ist eine knappe halbe Stunde gut machbar.“ Aktuell ist Ioan Scheffel aus Stuttgart in Malchow zu Gast. Die Nähe zwischen Organist, Instrument und Publikum erlebt er als Besonderheit: „Die Leute kommen ganz nah heran und gucken mir auch auf die Füße.“
Sonntagsmatinee und Saisonabschluss
Jeden Sonntag um 11.30 Uhr steht während der Hauptsaison die Orgelmatinee mit rund einer Stunde Orgelmusik auf dem Programm. Eine Gage oder Kostenerstattung erhalten die Organisten für ihren Aufenthalt nicht. Der Kultur- und Sportring stellt ihnen für die zwei Wochen eine Ferienwohnung zur Verfügung.
Am 4. Oktober endet die Saison mit dem Museumstag. Geplant sind unter anderem Führungen durch die Depots. Um 17 Uhr folgt das Abschlusskonzert mit Pavel Černý aus Prag, von dem auch die rund 300 Jahre alte Leihgabe stammt.