Beschäftigte der Süßwarenindustrie haben am Dienstag in Lüneburg für mehr Lohn gestreikt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Nach Polizeiangaben beteiligten sich etwa 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an dem Protest. Sie kamen mit Bussen, reisten der Gewerkschaft zufolge auch aus anderen Bundesländern an.
Protestzug durch Lüneburg
Am Vormittag startete die Protest-Kundgebung am Filmpalast, danach gab es einen Protestzug durch die Stadt. Aus Niedersachsen beteiligten sich unter anderem Arbeitnehmer von Bahlsen, dem Salzgebäckhersteller Lorenz und dem Eisproduzenten Mövenpick an der Aktion.
„Wir haben ja alle Familie und haben laufende Kosten und wenn wir noch nicht einmal mehr kostendeckend wirtschaften können, dann haben wir alle ein arges Problem. Dementsprechend gehen wir auf die Straße“, sagte die Teilnehmerin Simone Engel.
Gewerkschaft fordert 5,8 Prozent mehr Lohn
Die Gewerkschaft verhandelt in der dritten Runde über einen neuen Tarifvertrag und fordert darin 5,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro mehr für die Beschäftigten. Die Arbeitgeber hatten zuletzt ein Plus von zwei Prozent vorgeschlagen. Das habe für großen Unmut gesorgt, sagte Finn Petersen von der NGG: „Weil die Arbeitgeber-Angebote deutlich unter der Inflationsrate liegen, insbesondere für Nahrungsmittel und für Energie, sodass es einen Reallohn-Verlust darstellen würde, den wir überhaupt nicht akzeptieren können.“
Weitere Aktionen möglich
Die Gewerkschaft verweist auch auf steigende Umsätze in der Branche. Sollte es auch am Dienstag in Lüneburg zu keiner Einigung kommen, werde kurzfristig zu weiteren Aktionen aufgerufen, heißt es von der NGG. „Wenn sich die Arbeitgeber nicht endlich bewegen, werden die heimischen Eistruhen und Keksregale bald deutliche Lücken haben oder sogar komplett leer sein“, so Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG Lüneburg.
Bundesverband: Süßwarenhersteller unter Druck
Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) stehen die deutschen Hersteller in diesem Jahr unter einem enormen wirtschaftlichen Druck. Unter anderem rasant gestiegene Energie- und Logistikkosten und unsichere Lieferketten belasten die Unternehmen. „Wir sind der NGG mit einem verbesserten Angebot weit entgegengekommen, eine ernsthafte Bewegung der Gegenseite haben wir bislang vermisst“, sagte Mario Mundorf, tarifpolitischer Geschäftsführer des BDSI nach den Verhandlungen im Juni. Forderungen, die an der wirtschaftlichen Lage vorbeigingen, sicherten keine Arbeitsplätze.
Warnstreik auch in Georgsmarienhütte
Auch beim Protein-Riegel-Hersteller Prinsen Berning in Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück) haben Mitarbeitende gestreikt. Laut eines Gewerkschaftssprechers legten die Beschäftigten von Sonntagabend bis Montagabend ihre Arbeit nieder. Mittlerweile sei die Produktion wieder angelaufen. Inklusive Leiharbeiter sind bei dem Unternehmen etwa 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.