95 Millionen Euro: So soll das neue Tor zur Ostsee aussehen
95 Millionen: Das neue Tor zur Ostsee

Das Straßenbauamt Stralsund hat am 31. Juli 2026 die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren der neuen Meiningenbrücke an die Anhörungsbehörde des Landes Mecklenburg-Vorpommern übergeben. Damit beginnt das Baurechtsverfahren für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Region.

500 Meter lange Brücke für Autos, Züge und Radfahrer

Das rund 500 Meter lange Bauwerk soll künftig gleichzeitig Autos, Züge, Radfahrer und Fußgänger über den Meiningenstrom führen. Straße und Eisenbahn erhalten getrennte Überbauten auf gemeinsamen Gründungen. Auf der Ostseite ist ein eigener Radweg vorgesehen. Im Bereich der Schifffahrtsrinne soll eine bewegliche Waagebalken-Klappbrücke entstehen.

Mit dem Neubau soll eine zentrale Voraussetzung für die Rückkehr der Darßbahn geschaffen werden. Das Land hatte 2020 entschieden, die Bahnstrecke wieder zu reaktivieren. Seitdem wird die Meiningenbrücke als gemeinsames Bauwerk für Straße und Schiene geplant.

Bedeutung für die Urlaubsregion

Für die Urlaubsregion Fischland-Darß-Zingst hat die Querung besondere Bedeutung. Wer Zingst aus Richtung Barth erreicht, nutzt die Verbindung über den Meiningenstrom. Die heutige Verkehrslösung ist ein Provisorium. Die historische Meiningenbrücke aus dem Jahr 1910 ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Seit April 2012 läuft der Straßenverkehr ganzjährig zweispurig über eine Behelfsumfahrung, deren Brücke sich mehrmals täglich öffnet, was vor allem in der Urlaubssaison zu regelmäßigen Staus führt.

Kosten und Finanzierung

Nach der bislang veröffentlichten Kostenschätzung des Landes entfallen auf die Meiningenbrücke rund 94,7 Millionen Euro (Kostenstand Februar 2024). Die Landesregierung weist darauf hin, dass die Ansätze mit fortschreitender Planung regelmäßig aktualisiert werden. Damit ist die Brücke der teuerste Einzelabschnitt bei der geplanten Reaktivierung der Darßbahn. Für das Gesamtprojekt von Barth bis Prerow werden insgesamt rund 204 Millionen Euro angesetzt: 49,2 Millionen Euro für Barth–Bresewitz, 94,7 Millionen Euro für die Meiningenbrücke, 24,2 Millionen Euro für Bresewitz–Zingst ohne Brücke sowie 35,9 Millionen Euro für Zingst–Prerow.

Nach Angaben der Landesregierung sind rund 147 Millionen Euro Bundesmittel, etwa 51 Millionen Euro Landesmittel sowie rund sechs Millionen Euro von der Usedomer Bäderbahn vorgesehen. Für zuwendungsfähige Schienenanteile wird mit einer Förderung von bis zu 90 Prozent gerechnet. Die entsprechenden Bundesmittel müssen allerdings noch beantragt und genehmigt werden.

Zeitplan und Ausblick

Mit der Reaktivierung soll die Bahnstrecke wieder bis Prerow führen. Nach vollständiger Inbetriebnahme ist ein stündlicher Verkehr der Linie RB 25 zwischen Prerow und Stralsund vorgesehen. Für den Bau der Meiningenbrücke gibt es noch keinen belastbaren Starttermin. Zunächst muss das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden. Für die vollständige Inbetriebnahme der Darßbahn geht die Landesregierung von den 2030er-Jahren aus; abschnittsweise Inbetriebnahmen sind zuvor möglich. Das neue Bauwerk soll dort entstehen, wo sich heute die historische Meiningenbrücke befindet. Zum Projekt gehört auch der spätere Rückbau der alten Brückenbauwerke.