In der Demenz-WG an der Schweriner Straße in Pampow werden die Bewohner weniger. Das DRK beendet zum 30. September die Betreuung der ambulant betreuten Wohngemeinschaft. Für Fabian Witt beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit: Er muss für seine an Demenz erkrankte Großmutter Karin Gornig ein neues Zuhause finden.
DRK zieht sich Ende September zurück
Karin Gornig lebt erst seit März in der Wohngemeinschaft. Ihr Zimmer ist bescheiden eingerichtet, an den Wänden und auf den Möbeln stehen Familienfotos. Für Witt bedeutete ihr Einzug vor allem die Gewissheit, dass seine Oma gut aufgehoben ist. Doch nun muss er innerhalb weniger Wochen eine neue Lösung finden.
In der Wohngemeinschaft gibt es insgesamt elf Plätze, zuletzt waren acht belegt. Das DRK ist nicht Vermieter und kündigt auch nicht die Zimmer. Die WG selbst wird nicht geschlossen. Theoretisch könnten die Bewohner bleiben – praktisch braucht es dafür ab Oktober einen anderen Betreuungsanbieter. Der Grund für den Rückzug ist nach Angaben des DRK wirtschaftlicher Natur.
Schon einmal stand das Angebot vor dem Aus. Ab März machte der Verband nach Gesprächen mit Angehörigen weiter und erhöhte die Eigenanteile. Doch es gelang nicht, alle Zimmer zu belegen. Für Witt kommt die endgültige Entscheidung trotzdem viel zu plötzlich. Erst am 28. August habe er erfahren, dass Ende September Schluss ist.
Suche nach passendem Platz gestaltet sich schwierig
Für Witt geht es nicht darum, irgendwo ein freies Bett zu finden. Der neue Ort muss zu seiner Großmutter und ihrer Erkrankung passen. Seit etwa zwei Jahren lebt sie mit Demenz, inzwischen ist die Krankheit weit fortgeschritten. Besonders schwierig macht die Suche ihre Weglauf-Tendenz.
Wie wichtig eine darauf eingestellte Betreuung ist, hat Witt bereits erlebt: In einer früheren Einrichtung blieb seine Oma gerade einmal zwei Tage. Am zweiten Tag verschwand sie. „Die wussten gar nicht, wo sie ist“, erinnert er sich.
In Pampow ist das anders. Hier weiß Witt Karin Gornig gut aufgehoben und kann erstmals seit Langem etwas Verantwortung abgeben. Vor ihrem Einzug im März lebte seine Großmutter noch zu Hause. Eine Nachbarin half, doch mit fortschreitender Demenz wurde der Alltag immer schwieriger. Von seiner Arbeit als Fitnesstrainer aus rief Witt teilweise jede Stunde an, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Schließlich reduzierte er sogar seine Arbeitszeit. „Ich war ständig am Telefon, musste mir immer Sorgen machen“, erzählt er.
Rollen haben sich verändert
Dass er sich so intensiv kümmert, ist für Fabian Witt selbstverständlich. Seine Großmutter ist für ihn nicht einfach nur die Oma, die man hin und wieder besucht. „Meine Oma und mein Opa waren wie meine Eltern“, sagt er. Als Kind und Jugendlicher reist er mit ihnen durch die Welt, manchmal mehrmals im Jahr. Besonders Spanien und Gran Canaria sind ihm bis heute im Gedächtnis geblieben. Mehr als zehn Jahre lang gehören die gemeinsamen Reisen zu ihrem Leben.
Heute haben sich die Rollen verändert. Nun ist er derjenige, der Termine organisiert, telefoniert, nach Pflegeplätzen sucht und da ist, wenn seine Großmutter ihn braucht. Selbst im Krankenhaus hat er schon bei ihr übernachtet. Und trotz der Demenz gibt es Rituale, die geblieben sind. Seit fünf Jahren fahren Oma und Enkel freitags gemeinsam ins Sieben-Seen-Center und essen ein Eis.
DRK: „Es wird eine Lösung geben“
Christoph Richter, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Ludwigslust, kann die Sorgen der Angehörigen nachvollziehen, betont aber, dass niemand ohne Betreuung bleiben werde. Nach aktuellem Stand seien nur noch wenige Bewohner auf der Suche, mehrere Angebote lägen bereits vor. Auch in den DRK-Pflegeheimen in Grabow, Lübtheen und Dömitz stünden Plätze zur Verfügung – notfalls zunächst als Übergangslösung. Zudem habe der Verband Kontakte zu anderen Wohngemeinschaften und Pflegediensten vermittelt. „Es wird eine Lösung geben“, sagt Richter.
Die kurze Frist begründet er mit der finanziellen Situation. Seit rund zehn Monaten versuche der Verband, die Betreuung wirtschaftlich weiterzuführen. Schon einmal habe das DRK aufhören wollen, auf Wunsch der Angehörigen aber weitergemacht. Am Ende sei das nicht länger möglich gewesen: „Wir hätten das nicht noch ein oder zwei Monate länger finanzieren können.“
Für Witt ist damit jedoch noch keine passende Lösung für seine Oma gefunden. Einrichtungen weiter entfernt von Schwerin kommen für ihn kaum infrage, weil regelmäßige Besuche deutlich schwieriger würden. „Man kann nicht mal eine Wohnung in vier Wochen finden“, sagt er. Einen geeigneten Platz für einen Menschen mit Demenz zu finden, sei noch viel schwieriger.