Am 7. Oktober 1910 schrieb Plau am See Luftfahrtgeschichte. Ein Flugapparat des Pioniers August von Parseval hob nach mehreren Fehlversuchen ab und gilt heute als erster Wasserflug in Deutschland. Ganz klassisch vom Wasser startete die Maschine allerdings nicht: Weil sie aus eigener Kraft nicht abheben wollte, ließ Parseval ein Anlaufgleis in den See bauen. Ein Startwagen brachte das Flugzeug auf Tempo.
Kurzer Flug, großer Schritt
Der erste erfolgreiche Flug blieb kurz und riskant. Nach etwa 350 Metern Richtung Stuer endete er im Wasser, der Pilot blieb unverletzt. Spätere Versuche führten weiter: Überliefert sind Flughöhen von bis zu 75 Metern und Strecken von drei bis vier Kilometern. Für das Jahr 1910 war das ein gewaltiger Schritt.
Ein Pionier kommt an den See
August von Parseval war kein Träumer ohne Werkstatt, sondern ein erfahrener Konstrukteur. Geboren 1861 in Frankenthal, hatte er sich bereits mit Drachenballons und Parseval-Luftschiffen einen Namen gemacht. Flugversuche wollte er aus Sicherheitsgründen über einer großen Wasserfläche durchführen. Der Plauer See bot dafür Raum, Wind, Sicht und lange Bahnen.
Die Stadt half mit. 1909 stellte sie Parseval am Zuruf kostenlos ein Gelände zur Verfügung, dort entstand eine Fliegerhalle. Aus dem stillen Arbeitsort wurde bald ein Anziehungspunkt. Neugierige kamen, um den neuen Apparat zu sehen. Ein findiger Gastronom eröffnete direkt neben der Halle ein Restaurant für die Schaulustigen.
Flugversuche verändern eine Seestadt
Parsevals Besuch brachte Bewegung in die Stadt. Wege wurden verbessert, die Strandpromenade entstand, die Plötzenhöhe entwickelte sich. Was als technisches Experiment begann, gab auch dem Tourismus Schwung. Plau am See wurde für kurze Zeit zu einem Schauplatz der Zukunft.
Ganz allein blieb Parseval mit seiner Lust am Fliegen nicht. Auch der Mecklenburgische Motor-Yachtklub experimentierte 1910 mit Ein-Mann-Gleitfliegern. Auf einem Frachtkahn wurde eine Startrampe errichtet, nach Tests mit Dummys wagten sich Klubmitglieder an kurze Gleitflüge. Die Landung erfolgte stets im Wasser.
Modelle erinnern an kühne Versuche
Parseval stellte seine Plauer Experimente Anfang 1911 ein und wandte sich wieder stärker anderen Luftfahrtprojekten zu. Die Wasserflug-Idee aber war in der Welt. Schon wenige Jahre später entwickelte sich die Technik rasant weiter.
Heute erinnern das Burgmuseum Plau und Tafeln am früheren Versuchsgelände an diese Episode. Dort wird sichtbar, wie viel Mut, Improvisation und Handarbeit in den ersten Flugversuchen steckte. Ein See in Mecklenburg-Vorpommern wurde damals zur Startbahn für ein Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte.