FDS Friedland: Ein Jahr Schule ohne Noten – Bilanz und Kritik
FDS Friedland: Ein Jahr Schule ohne Noten

Die Freie Demokratische Schule (FDS) in Friedland besteht seit einem Jahr. Am 3. September 2025 nahm sie ihren Betrieb auf. Das Konzept: keine Klassen und Zensuren, stattdessen Mitbestimmung, individuelles Lernen und persönliche Entfaltung. Schulleiterin Peggy Kaminski, die die Schule gemeinsam mit ihrer Kollegin Kerstin Baumgartner gegründet hat, zieht eine positive Bilanz: „Wir haben viel dazugelernt.“

So läuft der Schulalltag an der FDS

Die Schüler kommen zwischen 7 Uhr und 9 Uhr an der Schule an. Danach wird bei Bedarf in einem Morgenkreis über wichtige Themen gesprochen. Während des Schulalltags werden verschiedene Kurse angeboten, zwischen denen die Schüler je nach Interesse im Voraus wählen können. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, jeder an der Schule hat eine Stimme.

Noten und Klassen, wie es an anderen Schulen üblich ist, gibt es nicht. Zum Ende des vergangenen Jahres gab es für die Schüler keine Zeugnisse mit Noten, stattdessen erhielten sie Jahresbriefe.

Entwicklung der Schülerzahlen

Vor einem Jahr startete die Schule mit 24 Schülern. Mittlerweile lernen dort 27 Kinder. Fünf Schüler haben die Schule im Laufe des vergangenen Jahres vorzeitig verlassen. Es habe Kündigungen und auch Neuaufnahmen gegeben, berichtet Kaminski, die vor dem Start der FDS gut 20 Jahre im staatlichen Dienst als Lehrerin aktiv war.

„Wir haben alle Facetten mitgenommen und fühlen uns damit gut gewappnet für das zweite Jahr“, sagt sie. Wichtig ist ihr, dass Eltern vor dem Schulstart ihrer Kinder darüber aufgeklärt sind, wie es an der Schule läuft. Daher gibt es Vorgespräche und Hospitationszeiten, bei denen die Kinder und Eltern die Schule und das Konzept dahinter kennenlernen können.

Kritik und positive Erlebnisse

Peggy Kaminski betont: „Ich stehe zu 100 Prozent hinter dem, was wir hier auf die Beine gestellt haben.“ Besonders in Erinnerung sei ihr ein Herbstmarkt im Oktober 2025 geblieben, bei dem viele Interessierte auf das Schulgelände gekommen seien. Das sei ein „ganz schön großes Event zu Beginn“ gewesen.

Doch auch mit Kritik muss die Schulgründerin umgehen. „Die Kritik ist weiterhin da. Ich denke, sie ist weniger laut geworden“, sagt sie und ergänzt: „An Kritik können wir auch wachsen.“ Insbesondere in den Kommentarspalten im Internet ist diese Kritik zu finden – beispielsweise, wenn es darum geht, dass Kinder an der Schule keinen Abschluss machen können. Um diesen zu erhalten, müssen die Abschlussjahrgänge ihre Prüfungen an anderen Schulen absolvieren.

„Der Besuch einer Einrichtung, die keinen Abschluss ermöglicht und völlig an der Lebenswirklichkeit in unserem Land vorbeigeht, ist verschwendete Zeit“, hatte beispielsweise ein Facebook-Nutzer unter einem Nordkurier-Beitrag über die Eröffnung kommentiert. Wenn Kritik geübt wird, dann geschehe das in erster Linie im Internet, berichtet Peggy Kaminski. Wenn Menschen das Konzept nicht gut finden, „dann sagen sie es uns nie direkt“.

Zukunftspläne der Schule

Noch ist die Schule in der Schwanbecker Straße in einem Container-Bau angesiedelt. Sollte die Einrichtung in der Zukunft wachsen, soll sie an einen neuen Standort wechseln. Aktuell werde sich diesbezüglich umgeschaut, viele Arbeiten laufen im Hintergrund, konkret sei noch nichts. „Wir werden in Friedland bleiben“, ist für Peggy Kaminski klar. Ein Standortwechsel müsste zudem mit dem Ministerium abgesprochen werden.

In der entfernten Zukunft sollen rund 150 Schüler und elf Mentoren an der Schule aktiv sein. „Das ist unser Wunsch, wo wir hinwollen“, erklärt die Gründerin. Für diesen Plan seien etwa sieben bis zehn Jahre anvisiert. Die 27 Schüler werden derzeit von drei Teilzeit-, zwei Vollzeitkräften und weiteren ehrenamtlichen Helfern betreut.

Das Konzept hinter der FDS ist laut Peggy Kaminski eine „tragfähige Lösung für die Zukunft“. Für sie ist aber auch nach einem Jahr noch klar: „Es ist exotisch für unsere Region.“