Gedenkstätte Altes Zollhaus Göhren: Porträts von Mut liegen im Dornröschenschlaf
Gedenkstätte Altes Zollhaus Göhren im Dornröschenschlaf

Das Alte Zollhaus in Göhren südlich von Woldegk beherbergt eine Gedenkstätte mit über 50 Tafeln, die an mutige Menschen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnern. Viele von ihnen wurden von den Nazis ermordet. Doch seit es keinen Mitarbeiter mehr gibt, der die Gedenkstätte betreut, kann von Mai bis September nur telefonisch unter (03963) 256540 ein Besuch angefragt werden.

Schicksale mutiger Menschen

Die Ausstellung informiert über Menschen wie Johannes Heinemann, Friedrich Hanselmann, Margarethe Grunthal und Hans Feyerabend – Namen, die in Geschichtsbüchern kaum zu finden sind. Heinemann und Hanselmann waren Landwirte. Heinemann agierte als Kommunist früh gegen die Nationalsozialisten, Hanselmann konnte im April 1945 nicht mehr mit ansehen, was geschah.

Als Hitlerjungen das Heimatdorf von Hanselmann verteidigen sollten, entwaffneten Einwohner die Jungen. Aus Sorge, dass die SS Unschuldige verurteilen und den Ort zerstören würde, bekannte sich Hanselmann zu der Tat. Er wurde am 10. April 1945 erhängt.

Ein Satz mit fatalen Folgen

Marianne Grunthal war eine 49-jährige Lehrerin, der ein Satz zum Verhängnis wurde. Als sie vom Tod Adolf Hitlers erfuhr, erklärte sie öffentlich: „Gott sei Dank, dann ist der furchtbare Krieg endlich zu Ende.“ Dafür wurde sie auf Befehl des Schweriner NSDAP-Kreisleiters an einem Straßenbahnmast erhängt.

Das Zollhaus wurde Anfang des 19. Jahrhunderts an der Ländergrenze zwischen Mecklenburg und Brandenburg erbaut. Um 1866 ging es in den Besitz der Gutsverwaltung über und diente vorrangig als Wohnhaus. Nach 1945 war es Wohnhaus, Gemeindebüro, Post und Kinderkrippe.

Ein Euro Kaufpreis, viel Potenzial

2006 kaufte die Stadt Woldegk das ehemalige Zollhaus für einen Euro. Mit 90-prozentiger Förderung wurde aus der Ruine schnell wieder ein Schmuckstück. Das Gebäude enthält eine Ausstellung zum Zollwesen, informiert über Mecklenburger im Widerstand und Landwirte im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Ein Nebengelass beherbergt ein kleines Museum mit historischen haushaltstechnischen Gerätschaften. Schulklassen können die Ausstellungen kostenlos besuchen.

Die Gedenkstätte wird auch als Dorfgemeinschaftshaus genutzt und kann für Feierlichkeiten gemietet werden. Bei etwa 90 Einwohnern ist die Vermietung nicht kostendeckend. Ortsvorsteher Ralf Karberg hofft, dass das Zollhaus von der Umgestaltung des angrenzenden Lennéparks profitiert. Versuche, Events wie Adventsnachmittage zu etablieren, führten nie zu einer traditionellen Veranstaltung, bedauert Karberg.