Nino Rakow hat den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut. Als Betreiber der Neuen Mühle in Perleberg hat er viele eigene Akzente gesetzt. Nach den ersten Monaten resümiert er: „Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Es gehe in die richtige Richtung.
Schwerer, aber erfolgreicher Start
Mit ambitionierten Ideen, Renovierungsarbeiten und einer komplett neuen Speisekarte wollte Rakow der traditionsreichen Gaststätte einen neuen Anstrich verpassen. Auf die Frage, ob sein Konzept gut aufgenommen wurde, antwortet er: „Besser als ich dachte.“ Er berichtet: „Wir haben Gäste, die damals nie hier gegessen hätten.“ Die Kundschaft habe sich verjüngt – genau das sei seine Absicht gewesen. Doch wünscht er sich nun, dass wieder ein paar ältere Gäste vorbeikommen.
Er glaubt, dass die Öffnungszeiten während der Anlaufphase weniger seniorenfreundlich waren. Das habe auch daran gelegen, dass anfangs nur er und seine Frau in der Gaststätte arbeiteten. Mittlerweile hat sich das Team vergrößert: Eine neue Servicekraft und drei Aushilfen kamen dazu. Die Geschäftszeiten wurden angepasst: Mittwochs und donnerstags wird von 14 bis 20 Uhr durchgehend warme Küche angeboten, freitags und sonnabends von 12 bis 20 Uhr, sonntags von 12 bis 17 Uhr. „Das funktioniert jetzt relativ gut“, meint er.
Abendgeschäft und Catering
Aber nicht alles läuft wie gewünscht: „Was mir jetzt halt fehlt, ist das Abendgeschäft“, so Rakow. Da hätte er mehr erwartet. Positiv überrascht habe ihn aber, dass viele Cateringanfragen eingehen: „Die ganzen Firmen kommen her“, berichtet er. Auch seine Kochkünste haben die neue Stammkundschaft überzeugt. Ursprünglich sollten die Burger das Aushängeschild werden, aber seine Currywurst mit einer fruchtigen selbstgemachten Tomatensoße sei sogar noch beliebter, erklärt Rakow. Für die Soße verwende er frische Früchte.
Herausforderungen mit Campingplatz und Bootsverleih
Schon vor einigen Monaten meinte Rakow, dass die Neue Mühle besondere Herausforderungen mit sich bringe, weil auch ein Campingplatz und ein Bootsverleih zum Lokal gehören. „Aber man wächst halt mit seinen Aufgaben“, zeigte er sich überzeugt. „Der Campingplatz hatte einen schlechten Ruf“ – zu wenig sei sich in der Vergangenheit um das Gelände gekümmert worden. Seit dem Neustart seien die Stellflächen aber wieder gefragter.
Auch die Nachfrage nach Bootsfahrten sei gewachsen, sodass ein weiteres Tretboot angeschafft wurde. Zwei Kanus und zwei Tretboote können gemietet werden. Liebend gerne würde Rakow auch wieder Kahnfahrten anbieten – doch da macht momentan eine Sandbank einen Strich durch die Rechnung. „Manchmal hast du mit den Tretbooten schon zu tun. Da brauchen wir mit dem Kahn erst gar nicht anzufangen.“
Das schade auch dem Tourismus, denn die Kahnfahrten auf der Stepenitz gehören eigentlich zum Tourismuskonzept der Stadt Perleberg. Bisher habe er noch niemanden überzeugen können, die Sandbank zu beseitigen. Die Idee ist nun, dass das Technische Hilfswerk Prignitz im Rahmen eines Übungstags die Wasserwege ausbaggert. Sofern der Sand danach an einer anderen Stelle wieder ins Gewässer kommt, wäre das möglich. Aber feste Pläne gebe es noch nicht.
Zufriedenheit mit der Entwicklung
Insgesamt bereut Rakow den Schritt nicht. Viele Herausforderungen seien in den vergangenen Monaten auf ihn eingeprasselt – auch unerwartete, wie die Probleme mit der Sandbank. Besonders die Tatsache, dass seine neue Speisekarte gut ankommt, mache ihn glücklich. Er erzählt, dass vor einigen Tagen eine Fahrradgruppe 20 Kilometer gefahren ist, nur um Currywurst bei ihm zu essen.
Auf das Team, das er sich mittlerweile aufgebaut hat, ist er stolz. Nur wünscht er sich manchmal, dass die Gäste mehr Verständnis für die Kapazitätsgrenzen der Servicekräfte hätten. Bei 40 Gästen dauere es nun einmal etwas länger, bis alle bedient würden. Wenn zu viel los ist, müssen manchmal, aber selten auch Besucher abgewiesen werden, weshalb er bei größeren Gruppen empfiehlt, einen Tisch zu reservieren. Er ist telefonisch unter der 03876/301010 oder per E-Mail an [email protected] erreichbar.
Abschließend meint er: „Reich will ich nicht werden. Ich will nur meine Kosten decken, und ich will meinen Spaß haben.“ Das funktioniere bislang auch ganz gut, denn seit Februar schreibt er nur noch schwarze Zahlen.