Vom Verfall zum Luxus: Gutshaus Zülow als Rückzugsort gerettet
Gutshaus Zülow: Vom Verfall zum Luxus-Rückzugsort

Das Herrenhaus Zülow am nordwestlichen Rand des Sternberger Ortsteils Zülow hat eine bewegte Geschichte: Vom mittelalterlichen Adelssitz über Flüchtlingsunterkunft, Konsum und Schule bis hin zur schwer beschädigten Ruine. Nach einer umfassenden Sanierung wird das Gebäude im Tal der Mildenitz heute als „Rural Retreat“ genutzt. Gäste buchen dabei nicht einzelne Zimmer, sondern mieten das gesamte Gutshaus mit seinen 13 Zimmern exklusiv.

Jahrhundertealte Gutsgeschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1314 als „de Sulowe“. Bereits 1320 verlieh Fürst Heinrich II. von Mecklenburg dem Ritter Conrad von Cramon Besitz in der Gegend, darunter Land und zwei Katen zu Zülow. Damit begann eine Gutsgeschichte, die über Jahrhunderte von wechselnden Familien geprägt wurde.

Auf die von Cramon folgten unter anderem die von Plessen, von Scheel, von Bülow, von Storch, von Zülow, Hillmann und von Dallwitz. Die Lage an der Mildenitz war für das Gut von zentraler Bedeutung – es ging um Felder, Vieh, Mühlen, Fischerei und Wasserrechte. Gerade am Fluss kam es immer wieder zu Streitigkeiten.

Streit um Mühlen und ein geiziger Gutsherr

Besonders hart wurde um die Rothener Mühle gerungen, da die Zülower Mühlen von der dort aufgestauten Wassermenge abhängig waren. Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Dietrich von Plessen nach überlieferten Berichten sogar Teile einer Stauanlage entfernen. Der Streit beschäftigte Gerichte über Jahre.

Eine überlieferte Episode aus der Zeit des Gutsherrn Jaspar Friedrich von Bülow um 1800 zeigt, wie persönlich Konflikte damals werden konnten. Von Bülow galt als äußerst geizig. Dem Pastor aus Gägelow standen beim Schlachten Würste zu, die nach Länge bemessen wurden. Der Gutsherr soll deshalb Schafdärme genutzt haben – die Würste waren lang genug, aber auffällig dünn. Der Pastor predigte daraufhin gegen den Geiz und warf dem Gutsherrn die Würste vor die Füße. Später endete ein Treffen der beiden zwar zunächst in einem Trinkgelage, doch der Friede hielt nicht lange. Der Pastor soll betrunken auf einer Schubkarre nach Hause gebracht worden sein. Von Bülow wechselte danach die Kirchengemeinde – der Weg nach Witzin samt Brücke über die Mildenitz soll mit diesem Zerwürfnis zusammenhängen.

Hamburger Architekt prägte das Haus

Seine heutige Gestalt erhielt das Herrenhaus um 1871. Bauherr war Johannes Hillmann, der das Gut 1862 erworben hatte. Er beauftragte den Hamburger Architekten Martin Haller, der später durch das Hamburger Rathaus bekannt wurde. Das Haus bekam eine breite helle Fassade, Seitenflügel, eine große Eingangstreppe und einen Balkon über dem Portal. Dort erinnern die Initialen „JH“ an Johannes Hillmann. Im Eingangsbereich befinden sich figürliche Medaillons, die dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen zugeschrieben werden.

Vom Adelssitz zum Haus des Dorfes

Bis 1945 blieb das Gut im Besitz der Familie von Dallwitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Nutzung grundlegend. Das Herrenhaus wurde Unterkunft für Flüchtlinge und Aussiedler – noch 1950 lebten rund 60 Menschen im Gebäude. Später diente das frühere Herrenhaus dem Dorf: Es gab dort einen Konsum mit Lager und Büro, eine Eiersammelstelle, eine Gaststätte, Schulräume und einen Kulturraum. Bis 1994 wurde im Gebäude unterrichtet.

Verfall und Rettung

Nach der Schulnutzung stand das Haus leer und verfiel. Das Dach war undicht, Holzböden waren vom Hausschwamm befallen, Kellerwände stark durchfeuchtet. Hausschwamm ist ein Pilz, der Holz zerstört und sich unter ungünstigen Bedingungen auch durch Mauerwerk ausbreiten kann. Teile des Hauses galten als abrissreif. Ende der 1990er-Jahre wurde das Gebäude zwar saniert und zu Ferienwohnungen umgebaut, doch ab 2015 zeigte sich, dass viele Schäden geblieben waren. Der Dachstuhl war stark angegriffen, die Fassade schadhaft, die Haustechnik nicht mehr brauchbar. Aus einer geplanten Reparatur wurde 2016 eine Komplettsanierung.

Bei der Sanierung wurden Dach, Keller, Innenräume, Leitungen, Heizung, Brandschutz und Schallschutz überarbeitet. Unter später eingebauten Decken kamen alte Stuckdecken zum Vorschein. Erhaltene Teile wurden restauriert, fehlende Bereiche ergänzt. 2019 war die Sanierung abgeschlossen. Auch der rund 11.000 Quadratmeter große frühere Gutspark wurde überarbeitet. Da sich das Gelände in Privatbesitz befindet, sind spontane Besichtigungen von Haus und Park nicht möglich.

Zur Geschichte des Geländes gehört außerdem das alte Wasserkraftwerk an der Mildenitz. Der Backsteinbau aus den 1920er-Jahren gilt als technisches Denkmal und produziert bis heute Strom.