Für Naturfreunde beginnt im fortschreitenden Sommer eine der schönsten Jahreszeiten, denn die Heideblüte setzt ein. In der Region zwischen Hagenow und Boizenburg laden die Viezer Heide bei Hagenow, die Lübtheener Heide auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz sowie die Bretziner Heide bei Bengerstorf zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Die Heidelandschaften sind nicht natürlich gewachsen, sondern wurden historisch durch Menschen bewusst geschaffen.
Historische Nutzung und heutiger Erhalt
Die widerstandsfähigen Heidepflanzen gedeihen auf nährstoffarmen Sandböden, die im westlichen Mecklenburg in den Ausläufern der Elblandschaften häufig vorkommen. Für die dort lebenden Menschen war die Heide als Bienenweide eine Lebensgrundlage: Sie nutzten Honig sowie die Pflanzen als Dachdeckungs- und Dämmmaterial. Deshalb hielten sie die Heide durch Eingriffe offen.
Bis heute erfordert der Erhalt der Heide permanente Pflegemaßnahmen, da die Flächen sonst schnell von Pionierbäumen wie Birken und Kiefern überwachsen würden. Die Heidelandschaften in Viez, Lübtheen und Bretzin stehen unter Naturschutz und werden von Biosphäre und Forst regelmäßig freigehalten.
Beweidung und mechanische Pflege
Die Lübtheener Heide gehört zum Nationalen Naturerbe und umfasst rund 5000 Hektar besonders geschützte Flächen. Eine Herde von 24 Konik-Wildpferden hält die Flächen durch Verbiss und Hufe offen. Zusätzlich werden die Flächen von Schafen und Ziegen beweidet. Kontrollierte Brennmaßnahmen sowie Plaggen und Entkusseln verjüngen die Heide und erhalten sie.
Beim Plaggen wird die obere Bodenschicht abgetragen, wodurch der Bewuchs mit Gräsern und Sträuchern eingedämmt wird. Früher geschah das von Hand, um die Stücke als Einstreu im Stall zu verwenden – das Wort „Plackerei“ erinnert daran. Heute übernehmen spezielle Maschinen diese Arbeit. Entkusseln bedeutet, junge Bäume wie Kiefern, Birken oder Weiden zu entfernen, die den Heidepflanzen das Licht nehmen. Das Kusseln muss großteils per Hand erfolgen, um erwünschte Pflanzen wie Wacholder nicht zu schädigen.