Nichtschwimmer-Anteil sinkt auf 13,8 Prozent in MV – Kritik bleibt
Nichtschwimmer-Anteil sinkt in MV – Kritik bleibt

Die rot-rote Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern meldet einen Rückgang der Nichtschwimmer unter den Viertklässlern. Laut Sozialministerium lag der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die am Ende der 4. Klasse in öffentlichen Grundschulen nicht schwimmen können, im Vorjahr bei 13,8 Prozent.

In den Jahren zuvor war dieser Wert höher: Im Schuljahr 2018/19 lag er bei fast 16 Prozent, im Schuljahr 2021/22, geprägt durch die Corona-Pandemie, sogar bei gut 26 Prozent. Für das Schuljahr 2023/24 wurden 17,9 Prozent registriert. Das Ministerium führt den Rückgang auch auf das Landesprogramm „MV kann schwimmen“ zurück.

Regionale Unterschiede bei den Nichtschwimmern

Die wenigsten Nichtschwimmer in der 4. Klasse gab es im Vorjahr in Schwerin mit 9,0 Prozent und in Vorpommern-Rügen mit 11,2 Prozent. Die meisten waren in Nordwestmecklenburg mit 20,4 Prozent und in der Mecklenburgischen Seenplatte mit 17,0 Prozent zu verzeichnen.

Diese Zahlen bilden nach Ansicht von Thomas Powasserat von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in MV jedoch nicht die tatsächliche Schwimmkompetenz der Kinder ab. Das Ministerium beantworte nicht die Frage nach der Zahl der nicht sicheren Schwimmer. Als sichere Schwimmer gelten Kinder erst mit dem Schwimmabzeichen in Bronze, nicht mit dem „Seepferdchen“. Für Bronze sind mindestens 200 Meter freies Schwimmen nötig, für das „Seepferdchen“ nur 25 Meter. „Zwischen Nichtschwimmern und sicheren Schwimmern liegt noch ein meilenweiter Unterschied“, so Powasserat.

Landesprogramm zeigt Wirkung

Das Ministerium verwies auf eine Anfrage der Grünen im Landtag mit positiven Zahlen zu Schwimmergebnissen. Seit 2022 hätten landesweit 2909 Mädchen und Jungen zusätzliche Schwimmkurse im Rahmen von „MV kann schwimmen“ besucht. Das Programm helfe dort, wo die Kapazitäten zum Schwimmenlernen nicht gegeben oder nicht ausreichen, etwa weil keine Schwimmhalle vor Ort ist.

Vor allem Schulen in ländlichen Regionen nutzten das Angebot. Schulen aus den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Vorpommern-Rügen lagen laut Ministerium bei den Teilnehmerzahlen vorn. Im Schuljahr 2024/25 hätten über 260 öffentliche Grundschulen Schwimmkurse angeboten, nur neun dagegen nicht.

Kritik an fehlenden Details

Jutta Wegner, Landtagsabgeordnete der Grünen, erklärte, die Zahlen seien für die Regierung „kein Grund, sich für ihre Kampagne auf die Schulter zu klopfen“. Es bleibe offen, ob die Kinder durch die Kurse tatsächlich sicher schwimmen können. Fragen zur Kompensation von personellen Engpässen oder zum Ausfall von Kursen durch das Landesprogramm würden nicht beantwortet.

Zweifel bleiben auch wegen der Entwicklung der Schwimmabzeichen. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hatte im Frühjahr mitgeteilt, dass die Zahl der vergebenen Schwimmabzeichen in MV stark sinke. Bundesweit kletterte die Zahl der neuen Abzeichen (Gold, Silber, Bronze) im Vorjahr auf fast 100.000, im Nordosten war jedoch ein Rückgang zu verzeichnen. Das „Seepferdchen“ wurde bundesweit 45.000-mal vergeben, gilt aber nicht als Nachweis für sichere Schwimmfähigkeiten.

DLRG-Präsidentin Ute Vogt geht für ganz Deutschland davon aus, „dass fast 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der 4. Klasse nicht sicher schwimmen können“. Thomas Powasserat vom DRK in MV erklärte: „Ich würde das so unterschreiben.“