Beim Jugendforum „Stimmen der Jugend“ in Demmin haben Teilnehmer und Fachleute über Politik, Soziale Medien und Süchte diskutiert. Gefordert wurden dabei niedrigschwellige Angebote, mehr Ansprechstellen und nutzbare Räume für Jugendliche. Die Ergebnisse sollen nun in die Schulleiterrunden und das Jugendparlament getragen werden.
Einzigartiges Forum in Mecklenburg-Vorpommern
Die Veranstaltung „Stimmen der Jugend“ ist nach Angaben der Organisatoren das einzige Format dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Durchgeführt wird sie von der Deutschen Gesellschaft in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung MV. Gefördert wird sie vom Bundesministerium des Innern und der Bürgerstiftung Höxter.
Im Fokus standen drei Themenbereiche: der Bezug junger Menschen zur Politik, der Umgang mit Sozialen Medien sowie Suchtprävention. An dem Forum konnten 16- bis 35-Jährige teilnehmen. In Demmin blieb die Beteiligung der Jüngeren jedoch gering, überwiegend nahmen Berufstätige teil.
Fehlende Räume und Wege für Jugendliche
Daraus ergab sich unter Teilnehmern und Experten zunächst die Frage: Wie lassen sich Angebote besser an Jugendliche herantragen? Tim Schleinitz als Experte für den Themenbereich Politik sieht hauptsächlich fehlende Räume als Problem. Jugendlichen müsse man Gestaltungsmöglichkeiten niedrigschwellig eröffnen. „Es müssen nicht immer die großen Dinge sein“, sagte er. In Demmin fehlten den Teilnehmern zufolge direkte, einfache Wege, um Wünsche und Aktionen von Jugendlichen umzusetzen.
Zudem werde der Zugang zu passenden Ansprechpartnern als Hürde erlebt. Als mögliche Lösung wurden leer stehende Räume genannt, die Jugendliche selbst verwalten und gestalten könnten. „Dann machen sie die Orte auch weniger kaputt“, merkte ein Teilnehmer an.
Demmins Bürgermeister Thomas Witkowski verwies darauf, dass sich die Stadt seit 35 Jahren ein Jugendhaus leiste. Er verstehe den Wunsch, unter sich zu sein und unbeobachtete Treffpunkte zu haben, so Witkowski. „Ich bin hier aufgewachsen. Wir haben uns unsere Orte immer selbst gesucht“, sagte er.
Orte wie der Marienhain, die Snackeria oder Tankstellen seien bereits bekannte Treffpunkte, die gern von den Jugendlichen genutzt werden. Das Thema halte er dennoch für wichtig und will es in Jugendparlament und Stadtvertretung erneut beraten lassen.
Schule als zentraler Ort für Medienkompetenz
Beim Thema Soziale Medien konzentrierten sich die Diskussionen schnell auf negative Erfahrungen wie sexuelle Inhalte, Morddrohungen und Mobbing. Kritisiert wurde, dass der Umgang mit Sozialen Medien nicht verbindlicher Bestandteil der Ausbildung von Schulsozialarbeitern sei.
Einigkeit bestand darin, die Schule als zentralen Ort für Medienkompetenz zu stärken. Häufig sei sie erste Anlaufstelle neben Jugendhäusern, nicht das Elternhaus. Die Expertin Judith Kenk empfahl Eltern, „im Gespräch mit ihren Kindern zu bleiben“ und sich Informationen eigenständig anzueignen. Kinder sollten nicht mit dem Handy ruhig gestellt werden. Besonders Nutzungszeiten und Apps müssten im Blick bleiben, empfiehlt die Expertin.
Viele Teilnehmer sprachen sich für ein Handyverbot in der Schule aus. Schüler müssten dann wieder direkt miteinander umgehen, sie seien ausgeglichener, so Kenk. Ein Verbot könne zudem Persönlichkeitsrechte besser schützen, da Fotos und Videos von Mitschülern nicht in Umlauf gelangten.
In Demmin fehlen nach Einschätzung der Teilnehmer spezialisierte Beratungsangebote, etwa durch Sozialarbeiter. Bürgermeister Witkowski bedauerte das, verwies aber auf fehlende Mittel. „So wichtig das Thema ist, extra Beratungsangebote sind nicht finanzierbar“, sagte er. Schulen und Elternhaus sieht er vorrangig in der Verantwortung und plädiert für stärkere Qualifizierung.
Gute Begleitung bei Sucht und Einstieg in Arbeitswelt
Beim Thema Süchte sprach Expertin Juliane Hartmann von einem hohen Risiko in jeder Kommune. „Es muss eine gute Begleitung geben, die auf Beziehung und Vertrauen fußt“, sagte sie.
Die Teilnehmer vermissen ein breiteres gesellschaftliches Tragen der Prävention. Nach ihrer Einschätzung sind in Demmin illegale Substanzen zu leicht verfügbar. „Zwei Anrufe reichen aus“, sagte einer.
Gefordert wurde mehr als nur ein Präventionsangebot pro Jahr an Schulen. Auch der Freizeitbereich solle Verantwortung übernehmen, Fachkräfte müssten geschult werden und Prävention verlässlich anbieten.
Als weiteres Anliegen nannten Jugendliche den Einstieg in die Arbeitswelt. Die Frage „Was will ich mit meinem Leben anfangen?“ solle früher in Schule und Elternhaus aufgegriffen werden.
Bürgermeister Witkowski kündigte an, die Ergebnisse in die Schulleiterrunden und das Jugendparlament zu tragen. „Wir als Stadt können nicht alles umsetzen, aber wir können Gespräche forcieren“, sagte er.