Jugendticket: Will die Seenplatte Modellregion werden?
Jugendticket: Seenplatte als Modellregion?

Die Mecklenburgische Seenplatte könnte sich als Modellregion für ein landesweites Jugendticket ins Gespräch bringen. Das sieht ein Antrag der SPD/FDP-Fraktion für die nächste Kreistagssitzung vor. Ziel ist ein Angebot, mit dem junge Leute auch außerhalb der Schülerbeförderung jederzeit kostengünstig öffentliche Verkehrsmittel nutzen können.

Landkreis will Anforderungen frühzeitig einbringen

Die Kreisverwaltung soll in die angekündigten Beratungen zwischen Land und Kommunen „frühzeitig ihre Anforderungen einbringen“. Wichtig sei dabei ein maßgebliches finanzielles Engagement des Landes, damit das Vorhaben nicht in eine zusätzliche Belastung der Kommunen münde.

In einem so weitläufigen Landkreis wie der Seenplatte komme es besonders auf gute Nahverkehrsangebote an, betonen die Antragsteller. Freunde, Ehrenamt und Freizeitangebote seien häufig weit voneinander entfernt. Die Mobilität junger Menschen dürfe „nicht am Schulweg, an der Kreisgrenze oder mit Beginn der Schulferien enden“.

MV-Jugendticket für alle jungen Leute

Der Landkreis soll sich für ein MV-Jugendticket stark machen, das allen jungen Leuten unabhängig von Schulart oder Ausbildungsort zu einem „geringen und sozial verträglichen Eigenanteil“ zugänglich ist. Es soll landesweit in Bussen und Bahnen gelten, auch an Wochenenden und zu Ferienzeiten. Falls eine landesweite Einführung kurzfristig nicht realisierbar ist, soll geprüft werden, ob die Seenplatte Modellregion für die Erprobung eines solchen Tickets werden kann – unter der Maßgabe, das Projekt gemeinsam mit dem Land zu entwickeln und zu finanzieren.

Der Antrag entstand aus Überlegungen zu einem Modellprojekt „Ferienmobilität MSE“, das Kindern und Jugendlichen während der Sommerferien die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen sollte. Im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur sprach sich eine Mehrheit für die Befassung des Kreistags aus. Keine Mehrheit fand ein Änderungsantrag der AfD-Fraktion, der ein kreisweites kostengünstiges Ticket für alle Ferienzeiten prüfen wollte.

Blick auf den Nachbarlandkreis

Der Wirtschaftsausschuss hatte den Antrag zuvor diskutiert, aber kein Votum abgegeben. In der kurzen Debatte wurde auf den Nachbar-Landkreis Vorpommern-Greifswald verwiesen, der mit einer sogenannten VG-Card kostenlose Fahrten für Schüler in Bus und Bahn an 365 Tagen im Jahr sicherstellt. Die Erfahrungen mit dieser Lösung sollte sich auch die Kreisverwaltung der Seenplatte genau anschauen, hieß es.

In der Seenplatte ist während der Schulzeit die kostenlose Schülerbeförderung zwischen Wohn- und Schulort geregelt. Der Landkreis habe eine Kopplung mit dem Deutschlandticket gewählt, erklärte Dirk Rautmann, Leiter des Amtes für Zentrale Dienste und des Schulverwaltungsamts. Damit werde in elf Monaten des Jahres Mobilität gewährleistet. Eine Ausweitung auf den verbleibenden Sommermonat würde den Landkreis bei 26.000 Schülern allgemeinbildender Schulen und 6000 Berufsschülern ohne Landesförderung gut zwei Millionen Euro kosten. Kostengünstige „Tarifprodukte in Hoheit der Verkehrsunternehmen“ könnten genutzt werden, wies Rautmann auf Optionen wie Wochen- und Monatskarten hin. Ein Prüfauftrag für eine landesweite Regelung sei zu begrüßen.