Klangmomente in Ludwigslust: Streichquartett begeistert im Goldenen Saal
Klangmomente: Streichquartett im Goldenen Saal Ludwigslust

Im Goldenen Saal des Schlosses Ludwigslust hat das Konzertformat „Klangmomente“ der neuen Philharmonie Mecklenburg-Vorpommern einen diesjährigen Höhepunkt erlebt. Vor ausverkauftem Haus spielte das Lynx Quartett Kammermusik, die vor mehr als zwei Jahrhunderten für genau diesen Ort komponiert wurde. Die 170 Gäste erlebten einen Abend, der sie selbst zu Herzogen machte.

Ein Dialog mit dem Raum

Wenn vier Streicher im Goldenen Saal ihre Instrumente spielen, beginnt ein Dialog mit dem Raum. Der opulente Raumschmuck aus Pappmaché mache den Saal zum perfekten Ort für die Konzertreihe, erklärte Juan-Esteban Rendón vom Lynx Quartett, die erste Geige: „Wir haben heute das Glück, dieses Stück in diesem Saal zu spielen, wo es wahrscheinlich am besten klingt.“ Die vier jungen Streicher stammen aus Kolumbien, den USA und Rumänien.

Die Kammermusik sei für kleinere Räume gemacht, in denen die Musiker ganz nah am Publikum sind und jeder Ton völlig anders trägt als in einem großen Orchester, so Rendón bereits im September. Gerade deshalb passe sie so gut zu dem geschichtsträchtigen Ort.

Von Haydn bis Caroline Shaw

Ob Franz Joseph Haydn, der „Vater des Streichquartetts“, oder Alexander Porfirjewitsch Borodin je persönlich in Ludwigslust waren, kann nicht belegt werden. Ihre Musik hingegen schon. Mit den ersten Klängen von Haydn lauschten die Zuhörer konzentriert, manche mit geschlossenen Augen. Zwischen den Musikstücken war es bisweilen mucksmäuschenstill, erst wenn die letzten Töne verklungen waren, erfüllte Applaus den Saal.

Vier Instrumente, vier Werke, vier Epochen: Die Musik eröffnete einen Zugang zu vergangenen Zeiten und machte zugleich deutlich, wie gegenwärtig Kompositionen aus früheren Jahrhunderten noch immer sein können. „Die gleiche Musik, im gleichen Saal, wie vor 200 Jahren, besser geht das nicht“, so der Eindruck eines aus Frankreich angereisten Besuchers.

Tradition und Erneuerung

Konzerte haben in Ludwigslust Tradition. In der Blütezeit war der prominenteste Name Antonio Rosetti. Der Kapellmeister wechselte zum Beginn der französischen Revolution 1789 nach Ludwigslust, um die Hofkapelle des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin zu leiten. Heute erinnert die Rosetti-Stube in Ludwigslust an den Zeitgenossen von Joseph Haydn.

Haydn schrieb seine „Sonnenquartette“ im Jahr 1772, im selben Jahr, in dem in Ludwigslust der Bau des Schlosses begann. Das letzte Stück vor der Zugabe wurde 2011 von Caroline Shaw, inspiriert von Joseph Haydn, komponiert. „Zu lange wurden kreative Frauen unterdrückt, wir sind froh, dass das nicht mehr so ist“, erklärte Juan-Esteban Rendón.

Die Veranstaltung im Schloss erinnerte an vergangene Momente und brachte rund 250 Jahre Musikgeschichte zurück nach Ludwigslust. Ein Konzertbesucher brachte es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Heute sind wir alle Herzoge.“