Nach fast 80 Jahren ist Willi Klar in seinen Geburtsort Siggelkow zurückgekehrt. Dort, wo sein Leben 1947 begann, fand unlängst die erste Lesung seines im Mai 2026 erschienenen Generationenromans „Mutters Tränen“ statt. Das Buch umfasst 504 Seiten und beruht auf zwei Jahren intensiver Recherche.
Rückkehr mit einer schweren Geschichte
Eigentlich wollte Klar eine Familiensaga für Kinder, Enkel, Urenkel und spätere Generationen schreiben. Doch aus der privaten Spurensuche wurde ein Buch über Menschen in Mecklenburg, über Krieg, Verlust, Arbeit, Flucht und Neuanfänge, die nicht immer gelangen.
Im Mittelpunkt steht ein Mann, der zwei Konzentrationslager, Zuchthaus und einen Todesmarsch überlebte. Dieser Marsch führte ihn auch durch Redlin und Siggelkow, seinen späteren Heimatort. Doch nach der Befreiung fand er nicht mehr in ein normales Leben zurück. Klar beschreibt ihn nicht als Helden, sondern als schwer gezeichneten Menschen. Als ein Neubeginn möglich war, scheiterte er. Später starb er einsam in seiner neuen Heimatstadt Parchim.
Wenn eine Familie zerbricht
Eine zweite zentrale Figur ist seine Frau. Sie wuchs behütet in Redlin auf und gründete ihre Familie in Siggelkow. Ihr Leben war geprägt von harter Arbeit und Liebe zur Familie. Dennoch war sie bereit, diese Familie zu töten. Der Versuch gelang nur teilweise: Ihr Mann und der jüngste Sohn starben.
Mit dem ältesten Sohn begann später ein erfolgreicher Neuanfang. Tischlerei und Sägerei wurden zum größten nichtlandwirtschaftlichen Betrieb im Dorf. Doch die junge DDR brachte Veränderungen, Hoffnungen, Resignation und Widerstand. Wie viele andere verließ auch der Sohn das Land und suchte in Nordrhein-Westfalen eine neue Perspektive.
Ein Betrieb, Land und Verlust
Die Mutter blieb allein zurück. Ihre zweite Ehe scheiterte. Schließlich trennte sie sich von dem, was Generationen vor ihr aufgebaut hatten: Betrieb, Land und Wald. Mit ihren Kindern zog sie nach Parchim.
Der Roman spannt den Bogen von 1850 bis 1981. Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, zwei Weltkriege und der Neubeginn im geteilten Deutschland bilden den historischen Rahmen. „Mutters Tränen“ ist keine frei erfundene Geschichte. Klar stützt sich auf Zeugnisse der Zeit, Archivmaterial, Gedenkstättenbestände, regionale Chroniken und Zeitzeugenberichte.
Die Lesung in Siggelkow war für den Autor auch die Einlösung eines Versprechens. Viele aus seiner Schulzeit leben nicht mehr. Umso wichtiger war ihm, jüngeren Generationen zu erzählen, was in ihrer Gemeinde und in den Familien vor ihnen geschah. Besonders im Blick stehen die Mütter, deren Kampf um den Erhalt ihrer Familien heute kaum noch vorstellbar ist.